nach oben| Der österreichische Fernsehmarkt
Die durchschnittliche Tagesreichweite (TRW) des Fernsehens ist im Jahr 2019 in der Bevölkerung im Alter ab 12 Jahren mit 66,4% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2018 lag die TRW mit 65,1% deutlich um 1,3 Prozentpunkte niedriger und hatte im langfristigen Verlauf eine leichte Wachstumsdelle erzeugt (2017: 65,3%, 2016: 62,7%, 2015: 62,4%).

Mit einem Plus von vier Minuten auf 196 Minuten pro Tag hat sich die durchschnittliche Sehdauer erneut verlängert, die Wachstumskurve flachte damit jedoch weiter ab (2018: plus sechs Min., 2017: plus acht Min., 2016: plus sieben Min.). Trotzdem bleibt der Aufwärtstrend noch konstant. Seit dem letzten Tiefststand im Jahr 2009 mit 153 Minuten pro Tag, hat die Sehdauer um gut 28% bzw. um 43 Minuten zugenommen.

Auch im Jahr 2019 wurden in Österreich ausländische TV-Programme stärker genutzt, als inländische Programme. Allerdings hat sich das Verhältnis der Marktanteile von österreichischen zu ausländischen Fernsehprogrammen im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Es scheint, als sei der langfristige Zuwachstrend für die ausländischen Programme in den vergangenen Jahren, der bis 2017 anhielt, nachhaltiger unterbrochen zu sein. Nach Verlusten um sieben Zehntel-Prozentpunkte im Jahr 2018, stagnierte der Marktanteil der ausländischen Programme 2019 und verblieb bei 56,6%. Entsprechend blieb allerdings auch der Marktanteil der inländischen TV-Programme unverändert bei 43,4%. Dennoch gab es ein paar bemerkenswerte Veränderungen für einzelne Programme.

Seinen Marktanteil herausragend verbessert hat im Jahr 2019 Servus TV. Mit einem Wachstum um sechs Zehntel-Prozentpunkte auf 3% Marktanteil (MA) ist Servus TV das Programm mit dem größten Marktanteilsgewinn aller österreichischen Fernsehprogramme im Jahr 2019. ATV, das im Jahr 2018 seinen Marktanteil um ganze sieben Zehntel-Prozentpunkte ausbaute, legte 2019 um weitere zwei Zehntel-Prozentpunkte auf 3,5% MA zu und schloss damit das Jahr als das marktanteilstärkste Privatprogramm mit einem Zehntel-Prozentpunkt Vorsprung vor Puls 4 ab, das sich um einen Zehntel-Prozentpunkt auf 3,4% MA verbessern konnte. Auch ATV 2 konnte einen Zehntel-Prozentpunkt auf 1,1% MA hinzugewinnen und schließt damit den Kreis der Privatprogramme, die das Jahr 2019 oberhalb von einem Prozentpunkt Marktanteil abschließen konnten.

Oe24.TV konnte, wie schon 2018, wieder einen Zehntel-Prozentpunkt Boden gut machen und führt nun mit 0,3% MA die Gruppe der österreichischen Privatsender an, die unter einem Prozentpunkt Marktanteil liegen. R9, das Verbundfernsehen regionaler Privatsender, verlor den 2018 hinzugewonnenen Zehntel-Prozentpunkt und fiel auf 0,1% Marktanteil zurück. Sky Sport Austria blieb bei 0,1% MA, GOTV und OKTO TV kommen nach Rundung auf 0% Marktanteil. Das erst im September 2019 gestartete Puls24 ist noch nicht in der Jahresauswertung enthalten. Weitere private oder nicht-kommerzielle, österreichische TV-Programme werden nicht gemessen oder sind nicht messbar.

Die ORF-Programmflotte kam 2019 auf einen Gesamt-Marktanteil von 31,8%, ein Verlust um 1,2 Prozentpunkte zum Vorjahr. Auch 2018 hatten die ORF-Programme einen Prozentpunkt Marktanteil verloren und damit den langfristig anhaltenden und nur mit zwei Zwischenhochs (2012, 2015) unterbrochenen Abwärtstrend fortgesetzt. Während noch im Jahr 2018 das Programm ORF 2 mit einem Minus von 1,3 Prozentpunkten für den Verlust der Gruppe hauptverantwortlich war, war es im Jahr 2019 das Programm ORF 1, das um 1,8 Prozentpunkte auf 9,1% Marktanteil nachgab. ORF 2 konnte hingegen fünf Zehntel-Prozentpunkte wettmachen und kam auf 19,8% MA. ORF III und ORF Sport+ konnten 2019 jeweils einen Zehntel-Prozentpunkt hinzugewinnen. Damit kam ORF III auf 2,3% Marktanteil, ORF Sport+ verbesserte sich nach zwei Jahren Gleichstand auf 0,6% Marktanteil.


Bewegtbildnutzung: Anteile von klassischem Fernsehen und Online-Angeboten

Die Nutzung von Bewegtbildquellen aus dem Internet ist 2019 in der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen, jedoch mit gebremster Dynamik. Während in den Jahren 2017 und 2018 der Anteil von Online-Bewegtbild am Gesamt-Bewegtbildkonsum jeweils um drei Prozentpunkte gewachsen war, kam 2019 nur ein Prozentpunkt auf nun 18% hinzu. Bewegtbild aus klassischer Rundfunkübertragung (Live-TV plus private Aufnahmen) stellte dementsprechend weiterhin den größten Anteil am Bewegtbildkonsum. Die junge Bevölkerung im Alter zwischen 14 und 29 Jahren konsumierte hingegen im Jahr 2019 bereits 46% allen Bewegtbildes online (plus zwei Prozentpunkte).

Die Bewegtbildstudie 2019 von RTR Medien und AGTT zeigt, dass die Gesamtbevölkerung im Alter ab 14 Jahren ihren durchschnittlichen, täglichen Bewegtbildkonsum von 219 Minuten (2018: 225 Min.) zu 80% mit dem linearen Fernsehangebot deckte, das über die klassischen Rundfunkwege Kabel, Satellit oder Terrestrik ausgestrahlt wurde. Darin enthalten waren 76% lineare TV-Nutzung (2018: 77%) zum Zeitpunkt der tatsächlichen Ausstrahlung (Live-TV) und 4% private Aufnahmen (2018: 5%) des linearen TV-Angebotes. Gegenüber dem Jahr 2018 ging damit die Nutzung von Live-TV und TV-Aufzeichnungen am Gesamtbewegtbildkonsum um in Summe zwei Prozentpunkte zurück (2018: 82%).

Online-Quellen hatten im Jahr 2019 einen Anteil von 18% (2018: 17%, 2017: 14%) an der durchschnittlichen, täglichen Bewegtbildnutzung in der Gesamtbevölkerung. Dabei entfiel der größte Teil mit unverändert 4% auf die Plattform YouTube, gefolgt von den Mediatheken der TV-Sender, die ihren Anteil im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls stabil hielten und wieder auf 3% kamen. Netflix konnte seinen Anteil an der durchschnittlichen Bewegtbildnutzung der Gesamtbevölkerung um einen Prozentpunkt auf 3% ausbauen, Amazon Prime Video blieb bei einem Anteil von 2%. Facebook und Instagram kommen gemeinsam zu etwa gleichen Teilen auf gut ein Prozent am Bewegtbildkonsum. Weitere Online-Bewegtbildquellen, darunter auch WhatsApp, bs.to oder Snapchat, erzielen jeweils weniger als einen halben Prozentpunkt.

Gekaufte Inhalte auf physischen Trägern, also DVDs oder Blu-Rays, haben demgegenüber ihren Anteil von gerundet 2% am Bewegtbildkonsum gehalten.


14- bis 29-Jährige deckten 46% ihres Bewegtbildbedarfs über das Internet

Bei den jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren nahm 2019 die Nutzung von Online-Quellen zur Deckung des durchschnittlichen, täglichen Bewegtbildkonsums prozentuell erneut zu. Von den 196 Minuten (2018: 212 Min.), die die jungen Menschen durchschnittlich pro Tag auf Bewegtbildangebote verwendeten, entfielen auf Videos von Mediatheken, YouTube, Netflix, Amazon Prime Video oder Social Media ein Anteil von 46% (2018: 44%, 2017: 35%, 2016: 25%). Die größte Entwicklung hatte die kostenpflichtige Plattform Netflix zu verzeichnen, deren Anteil am Gesamt-Bewegtbildkonsum der jungen Menschen sich auf 10% verdoppelte. Das ging unter anderem zu Lasten von Amazon Prime Video, das um einen Prozentpunkt auf 3% und damit auf den Wert des Jahres 2017 zurückfiel. YouTube vergrößerte seinen Anteil um zwei Prozentpunkte auf 12% und blieb damit die unter den jungen Menschen weiter meistgenutzte Online-Quelle für Bewegtbild. Die Nutzung von Mediatheken der TV-Sender verringerte sich um einen Prozentpunkt auf 7%. TV-Livestreams wurden in der jungen Zielgruppe deutlich weniger genutzt und hatten mit 4% einen um zwei Prozentpunkte geringeren Anteil als 2018. Die Bewegtbildnutzung auf Social Media hat sich bei den jungen Menschen gegenüber dem Vorjahr kaum verändert und liegt je nach Plattform bei einem oder deutlich unter einem Prozent. Lediglich Instagram fällt aus der Reihe und hat mit 2% Anteil am Bewegtbildkonsum die Führungsposition unter den Social Media- und den "sonstigen" Plattformen eingenommen (2018: 1%).

50% ihres Bewegtbildkonsums deckte die junge Zielgruppe im Jahr 2019 mit Fernsehinhalten (inkl. 4% private Aufzeichnungen), die klassisch über Kabel, Satellit oder Terrestrik verbreitet wurden (2018: 52%, 2017: 61%, 2016: 70%).

4% des Bewegtbildkonsums entfielen unverändert auf DVDs oder Blu-Rays.


Fernsehveranstalter und TV-Programme auf dem österreichischen Markt

Über den ORF mit seinen vier nationalen Fernsehprogrammen hinaus, sind in Österreich offiziell 153 (2019: 159) private TV-Veranstalter mit 238 (2018: 239) Programmen bei der Medienbehörde KommAustria registriert. Die Verbreitungsgebiete und das inhaltliche Angebot gehen dabei allerdings weit auseinander.
Von den 238 TV-Programmen werden 66 Programme in ganz Österreich verbreitet. Dazu zählen jedoch beispielsweise auch die (Werbe-) Fensterprogramme deutscher Privatsender – hier ist n-tv Austria neu hinzugekommen –, sowie die verschiedenen Programme des Pay-TV-Angebotes von Sky Austria, Programme wie ÖAMTC-TV oder regionale bzw. lokale TV-Programme, die als österreichweit gelten, weil sie sich (auch) über Satellit oder über die nationalen Kabelnetze von Magenta oder der Telekom Austria (A1 TV) oder Magenta (vorm. UPC) verbreiten lassen.


Österreichische Fernsehprogramme mit nationaler Verbreitung

Das Angebot bundesweit zu empfangender TV-Programme österreichischer Herkunft mit einem 24 Std./7 Tage-Vollzeitsendeplan stieg im Herbst 2019 mit dem Start des Programms Puls24 von zehn auf elf Programme. Neben den öffentlich-rechtlichen Programmen "ORF 1", "ORF 2", "ORF III Kultur und Information" und "ORF Sport+", sind nun sieben private TV-Programme national aktiv. Dies sind "ATV", "ATV 2", "Puls 4", "Puls24", "Servus TV", "oe24.TV" und das Musikspartenangebot "gotv", die allesamt über Satellit, Kabel und teils bundesweit, teils nur regional terrestrisch zu empfangen sind.

Darüber hinaus ist mit "R9 – Regionales Fernsehen Österreich" bundesweit über Satellit ein Programmzusammenschluss der größten Regionalfernsehprogramme verfügbar. Dazu setzen die privaten Regionalprogramme W24, Vorarlbergs Regionalsender LändleTV sowie TirolTV, RTS aus Salzburg, Oberösterreichs LT1, KT1 aus Kärnten, der steirische Kanal3, SchauTV aus dem Burgenland und Niederösterreichs Regionalsender N1 Teile ihrer jeweiligen Programme zu einem Gesamtprogramm zusammen. Das Regionalprogramm SchauTV verfügt zudem noch über einen eigenen Satellitenkanal und ist so auch eigenständig national zu empfangen.


Regionale und lokale Fernsehprogramme

Außer Programmteile zum Satellitenangebot "R9 – Regionales Fernsehen Österreich" beizutragen, werden die neun größeren privaten Regionalprogramme W24, LändleTV, TirolTV, RTS, LT1, KT1, Kanal3, SchauTV und N1 mit einem täglich aktuellen Programm im Umfang von fünf bis acht Stunden in ihren jeweiligen Bundesländern vorwiegend in regionalen Kabelnetzen, aber in Teilen auch über Antenne, also "terrestrisch" verbreitet.

Weitere knapp 70 TV-Programme von rund 40 Veranstaltern zeigen überwiegend in einer Dauerschleife lokale Magazinsendungen mit einer Länge von in etwa 20 bis 90 Minuten, die in regionalen oder lokalen Kabelnetzen ausgestrahlt und wöchentlich einmal aktualisiert werden.


Internet TV

Insgesamt bieten 20 (2019: 19) österreichische Internet-Fernsehveranstalter 53 (2019: 52) TV-Programme an. Allein 33 der bei der KommAustria angezeigten Dienste entfallen auf den Mobilfunkanbieter "Hutchinson Drei Austria GmbH", der damit als TV-Veranstalter exklusiv für seine Mobilfunkkundschaft Streaming-Angebote gegen Gebühr über das mobile Internet zugänglich macht. Abgesehen von Hutchinson, spannt das Internet-Fernsehangebot einen Bogen über Privat-bzw. Community-TVs, die ihr ansonsten klassisch verbreitetes TV-Programm parallel auch im Internet streamen, sowie über Kronehit TV bis hin zur Wiener Staatsoper, wo gegen Gebühr Aufführungen live im Internet verfolgt werden können.


Die "Sonstigen"

Rund 110 weitere, als Fernsehprogramme registrierte Angebote stellen zum sehr überwiegenden Teil lediglich "hauseigene" Info-Kanäle von Kabelnetzbetreibern dar oder sind Wetterkameras von z.B. Bergbahn-Gesellschaften (Ski-Liftanlagen), deren Live-Bilder in lokale Kabelnetze in touristischen Regionen eingespielt werden. Die ehemals zahlreichen Zulassungen für Satelliten-TV-Programme, die "Adult Content" bewerben und Telefonnummern entsprechender Dienste kommunizieren, sind auf nur noch ein Angebot zurückgegangen.


Audiovisuelle Mediendienste auf Abruf

Im Unterschied zu Streaming-Angeboten bzw. dem Internet TV, das entweder ganztägig oder zu vom Veranstalter festgelegten Zeitpunkten linear im Internet übertragen wird, listet die Medienbehörde KommAustria auch anzeigepflichtige "Audiovisuelle Mediendienste auf Abruf". Die Anzeigepflicht ergibt sich aus einem gesetzlichen Kriterienkatalog, zu dem u.a. Merkmale wie eine Fernsehähnlichkeit oder eine kommerzielle Komponente zählen. In technischer Hinsicht zeichnen sich die Abrufdienste dadurch aus, dass der Anbieter in einem Online-Katalog Videos bzw. Sendungen anbietet, die die Nutzerinnen und Nutzer zu jeder gewünschten Zeit abrufen können – die also eben nicht linear nach einem Programmschema ausgespielt werden. Das Feld der Anbieter ist breit und reicht von den so genannten YouTubern über Mediatheken von TV-Sendern hin zu Sportvereinen, Gemeinden und Tourismusverbänden, die ihre Abrufdienste über YouTube, auf Facebook oder auf eigenen Websites zugänglich machen.

Die Zahl der Anbieter anzeigepflichtiger audiovisueller Mediendienste auf Abruf ist gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Die Anzahl der Dienste selbst ist demgegenüber praktisch unverändert geblieben. 149 Anbieter (2019: 168) haben zum Stand August 2019 der Medienbehörde ihre Abrufdienste angezeigt. Diese 168 Anbieter betreiben 253 (2019: 252) anzeigepflichtige Mediendienste auf Abruf.


Förderung von Fernsehveranstaltern durch die RTR-GmbH

Die öffentlichen Fördermittel des Privatrundfunkfonds sowie des Nichtkommerziellen Rundfunkfonds tragen nachhaltig zur Stabilität des österreichischen Rundfunkmarktes (TV und Hörfunk) bei. Beide Fonds sind beim Fachbereich Medien der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) eingerichtet. Seit dem Jahr 2013 und bis einschließlich des Jahres 2018, verfügte der Privatrundfunkfonds jährlich über 15 Mio. Euro. Im Mai 2019 beschloss der Nationalrat eine Erhöhung der Mittel auf 20 Mio. Euro. Dem Nichtkommerziellen Rundfunkfonds stehen 3 Mio. Euro per anno zur Verfügung.

Für 2019 wurden Anträge auf Förderung von Produktionen, Ausbildungsmaßnahmen und Studien österreichischer Privatfernsehveranstalter aus dem Privatrundfunkfonds in Höhe von insgesamt 13.955.605 Euro positiv entschieden. Anträge nichtkommerzieller TV-Veranstalter auf Förderung aus dem Nichtkommerziellen Rundfunkfonds wurden in Höhe von insgesamt 914.815 Euro positiv bewertet.

Die detaillierten Förderentscheidungen veröffentlicht die RTR-GmbH auf Ihrer Website unter https://www.rtr.at/de/foe/Foerderungen.


Andreas Kunigk
RTR Medien
12.08.2020