nach oben| Der österreichische Fernsehmarkt
Im Jahr 2017 hat das Fernsehen in Österreich wieder mehr Menschen erreicht, als in den Vorjahren. Im Durchschnitt schauten täglich 65,3% der Bevölkerung im Alter ab 12 Jahren Fernsehen (2016: 62,7%, 2015: 62,4%). Auch die durchschnittliche, tägliche Sehdauer der Österreicher*innen ist im Jahr 2017 um acht Minuten auf nun 186 Minuten pro Tag gestiegen. Allerdings entfällt der größte Teil der geschauten Fernsehminuten auf ausländische TV-Programme, die auch im Jahr 2017 ihre Position auf dem österreichischen TV-Markt weiter ausgebaut haben.

Mit einem um 0,6 Prozentpunkte auf 57,3% gestiegenen Marktanteil, werden ausländische Fernsehprogramme von der österreichischen TV-Bevölkerung weiterhin deutlich mehr geschaut, als die heimischen Angebote. Deutsche TV-Programme haben dabei einen Marktanteil von 41,3%. Die österreichischen Fernsehprogramme sind erneut leicht rückläufig und kommen 2017 bei den Zuseherinnen und Zusehern ab zwölf Jahren auf einen Marktanteil von 42,7% statt 43,3% im Vorjahr. Damit setzt sich in beide Richtungen der langfristig zu beobachtende Trend in kleinen Schritten fort.

Der neuerliche, leichte Marktanteilsverlust der österreichischen Fernsehprogramme um 0,6% geht auf das Konto des ORF, dessen TV-Programmflotte (ORF EINS, ORF 2, ORF III und ORF Sport+) um 1,2% auf 33,9% Marktanteil nachgibt, während sich die nationalen Privatprogramme „ATV“, „ATV2“, „PULS 4“ und „ServusTV“ in Summe leicht um 0,4% auf 8,4% Marktanteil verbessern. Auch oe24.TV steuert erstmals nach seinem Start im Herbst 2016 mit einem Marktanteil von 0,1% etwas zum Gesamtmarktanteil der nationalen Programme bei.

Fernsehveranstalter
Mit der Übernahme der Privatsender ATV und ATV 2 Anfang des Jahres 2017 durch ProSiebenSat.1Puls4, hat sich auf dem österreichischen Privatfernsehmarkt zwar in Sachen Eigentumsverhältnisse einiges getan, die reine Anzahl am Markt befindlicher TV-Programme blieb aber praktisch unverändert. Über den ORF mit seinen vier nationalen Fernsehprogrammen hinaus, sind in Österreich offiziell 157 private TV-Veranstalter mit 254 Programmen bei der Medienbehörde KommAustria registriert. Die Verbreitungsgebiete und vor allem das inhaltliche Angebot geht dabei allerdings weit auseinander.

Fernsehprogramme mit nationaler Verbreitung
Das Angebot bundesweit zu empfangender TV-Programme österreichischer Herkunft mit einem 24 Std./7 Tage-Vollzeitsendeplan blieb auch 2017 bei insgesamt zehn Programmen. Neben den öffentlich-rechtlichen Programmen „ORF EINS“, „ORF 2“, „ORF III Kultur und Information“ und „ORF Sport+“, sind weiterhin sechs private TV-Programme national aktiv. Dies sind „ATV“, „ATV 2“, „Puls 4“, „ServusTV“, „oe24.TV“ und das Musikspartenangebot „gotv“, die allesamt über Satellit, Kabel und teils bundesweit, teils nur regional terrestrisch zu empfangen sind.

Darüber hinaus ist mit „R9 - Regionales Fernsehen Österreich“ bundesweit über Satellit ein Programmzusammenschluss der größten Regionalfernsehprogramme empfangbar. Dafür fügen die privaten Regionalprogramme W24, Vorarlbergs Regionalsender LändleTV sowie TirolTV, RTS aus Salzburg, Oberösterreichs LT1, KT1 aus Kärnten, der steirische Kanal3, SchauTV aus dem Burgenland und Niederösterreichs Regionalsender N1 Teile ihrer jeweiligen Programme zu einem Gesamtprogramm zusammen. Das Regionalprogramm SchauTV verfügt zudem noch über einen eigenen Satellitenkanal und ist so auch eigenständig national zu empfangen.

Regionale und lokale Fernsehprogramme
Außer Programmteile zum Satellitenangebot „R9 - Regionales Fernsehen Österreich“ beizutragen, werden die neun größeren privaten Regionalprogramme W24, LändleTV, TirolTV, RTS, LT1, KT1, Kanal3, SchauTV und N1 mit einem täglich aktuellen Programm im Umfang von fünf bis acht Stunden in ihren jeweiligen Bundesländern vorwiegend in regionalen Kabelnetzen, aber in Teilen auch über Antenne, also „terrestrisch“ verbreitet.
Weitere knapp 70 TV-Programme von rund 40 Veranstaltern zeigen überwiegend in einer Dauerschleife lokale Magazinsendungen mit einer Länge von in etwa 20 bis 90 Minuten, die in regionalen oder lokalen Kabelnetzen ausgestrahlt und wöchentlich einmal aktualisiert werden.

Internet TV
Insgesamt bieten 16 österreichische Internet-Fernsehveranstalter 57 TV-Programme an. Damit ist die Zahl der Internet-Fernsehprogramme gegenüber 2016 um 13 Programme zurückgegangen, die Zahl der Veranstalter um zwei. Allein 41 der Internet-Fernsehprogramme entfallen auf den Mobilfunkanbieter „Hutchinson Drei Austria GmbH“, der damit als TV-Veranstalter exklusiv für seine Mobilfunkkundschaft Streaming-Angebote gegen Gebühr über das mobile Internet zugänglich macht. Ein kleiner Teil dieser Angebote richtet sich gezielt an Kinder, der größere Teil ist inhaltlich das genaue Gegenteil. Abgesehen von Hutchinson, spannt das Internet-Fernsehangebot einen Bogen über Privat-bzw. Community-TVs, die ihr ansonsten klassisch verbreitetes TV-Programm parallel auch im Internet streamen, sowie über den Presse- und Informationsdienst des Magistrats der Stadt Wien, der anlassbezogen Live-Streams anbietet, bis hin zur Wiener Staatsoper, wo gegen Gebühr Aufführungen live im Internet verfolgt werden können oder zu Kronehit TV.

Die „Sonstigen“
Rund 110 weitere, als Fernsehprogramme registrierte Angebote stellen zum sehr überwiegenden Teil lediglich „hauseigene“ Info-Kanäle von Kabelnetzbetreibern dar oder sind Wetterkameras von z.B. Bergbahn-Gesellschaften (Ski-Liftanlagen), deren Live-Bilder in lokale Kabelnetze in touristischen Regionen eingespielt werden. Hinzu kommen Zulassungen für Satelliten-TV-Programme, die vielfach „Adult Content“ bewerben und zum Beispiel Telefonnummern entsprechender Dienste kommunizieren.

Audiovisuelle Mediendienste auf Abruf
Die Zahl der Anbieter anzeigepflichtiger audiovisueller Mediendienste auf Abruf und ihrer derartigen Dienste hat gegenüber dem Vorjahr leicht zugenommen und beträgt 129 Anbieter zum Stand Juni 2018 (2017: 115, 2016: 104, 2015: 112). Diese 129 Anbieter betreiben 237 anzeigepflichtige Mediendienste auf Abruf (2017: 186, 2016: 145, 2015: 151).

Im Unterschied zu Streaming-Angeboten bzw. dem Internet TV, das entweder ganztägig oder zu vom Veranstalter festgelegten Zeitpunkten linear im Internet übertragen wird, listet die Medienbehörde KommAustria auch anzeigepflichtige „Audiovisuelle Mediendienste auf Abruf“. Die Anzeigepflicht ergibt sich aus einem gesetzlichen Kriterienkatalog, zu dem u.a. Merkmale wie eine Fernsehähnlichkeit oder eine kommerzielle Komponente zählen. In technischer Hinsicht zeichnen sich die Abrufdienste dadurch aus, dass der Anbieter in einem Online-Katalog Videos bzw. Sendungen anbietet, die die Nutzerinnen und Nutzer zu jeder gewünschten Zeit abrufen können - die also eben nicht linear nach einem Programmschema ausgespielt werden. Plattformen für derartige Angebote sind überwiegend YouTube, aber auch Facebook oder Mediatheken bundesweiter, regionaler und lokaler TV-Veranstalter oder eigene Websites wie beispielsweise von Tageszeitungen, Fußballclubs oder Tourismusverbänden.

Förderung von Fernsehveranstaltern durch die RTR-GmbH
Die öffentlichen Fördermittel des Privatrundfunkfonds sowie des Nichtkommerziellen Rundfunkfonds tragen nachhaltig zur Stabilität des österreichischen Rundfunkmarktes (TV und Hörfunk) bei. Beide Fonds sind beim Fachbereich Medien der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) eingerichtet. Seit dem Jahr 2013 verfügt der Privatrundfunkfonds jährlich über 15 Mio. Euro, sowie der Nichtkommerzielle Rundfunkfonds über 3 Mio. Euro per anno.

Für 2017 wurden Anträge auf Förderung von Produktionen, Ausbildungsmaßnahmen und Studien österreichischer Privatfernsehveranstalter aus dem Privatrundfunkfonds in Höhe von insgesamt 10.198.365 Euro positiv entschieden. Anträge nichtkommerzieller TV-Veranstalter auf Förderung aus dem Nichtkommerziellen Rundfunkfonds wurden in Höhe von insgesamt 937.712 Euro positiv bewertet.

Die detaillierten Förderentscheidungen veröffentlicht die RTR-GmbH auf Ihrer Website unter https://www.rtr.at/de/foe/Foerderungen.
Andreas Kunigk, RTR-GmbH, 11.06.2018