nach oben| Facts 2017
Der Filmwirtschaftsbericht ist fixer Bestandteil der österreichischen Filmwirtschaft. Wer eine Zahl zur Branche benötigt, findet sie im Filmwirtschaftsbericht. Und das seit 14 Jahren. In dieser Zeit hat sich die Situation der Medien und des Films in Österreich, Europa und der Welt in vielen Bereichen fundamental verändert. Filme werden nicht mehr analog gedreht, im Kopierwerk vervielfältigt und in großen Rollen in die Kinos gebracht. Die Digitalisierung der Kinos in Österreich ist abgeschlossen.

Das alles hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Zahl der Filme im Kino nahezu explodiert ist - 2017 wurden in Österreichs Kinos 466 Filme gezeigt - und dass „langsamere“ Filme keine Zeit für ihre Entwicklung beim Publikum bekommen. Alles wird schnelllebiger und selbst die erfolgreichsten Filme erzielen nicht mehr annährend so hohe Besuchszahlen wie früher, vor der Digitalisierung. Die Top-Filme des Jahres 2017 erzielten 4.074.560 verkaufte Kinokarten; 2008 waren es noch 4.439.006 Tickets für die zehn erfolgreichsten Filme des Jahres. Das entspricht einem Rückgang von rund 8%.

Die Digitalisierung hat auch die Videotheken aus dem Straßenbild vertrieben. Dafür sind Festivals und Open-Air-Veranstaltungen ein wichtiger Vertriebskanal geworden.

Das Fernsehen baut hingegen seine Bedeutung als Plattform für Zielgruppen, insbesondere durch nationale Produktionen, aus. Die Anzahl der Kanäle, vor allem aber die Anzahl der Ausstrahlungen im österreichischen Free TV steigen auffällig. Und die wichtigste technologische Innovation der letzten Jahre, das Streaming, steigt zweistellig. Streaming ist die Erfolgsgeschichte der letzten Jahre. Leider findet diese Entwicklung, von der insbesondere die großen US-amerikanischen Plattformen profitieren, noch ohne relevante Beteiligung der Europäer*innen und der Österreicher*innen statt.

In der gesamten Diskussion um audiovisuelle Medien, Politik und Förderung darf daher eines nicht übersehen werden: Film ist nicht nur eine künstlerische Ausdrucksform, Film ist auch ein Wirtschaftsgut mit hoher Arbeitsteiligkeit und Wertschöpfung.

Die jüngst erfassten Daten der Statistik Austria des Jahres 2016 weisen 2.251 Unternehmen und 7.915 Mitarbeiter*innen und knapp 1,5 Mrd. Euro an Erlösen und Erträgen aus. 2008 - also vor weniger als zehn Jahren - waren es 2.164 Unternehmen, die 6.801 Mitarbeiter*innen beschäftigten und damit 750 Mio. Euro an Erlösen und Erträgen erzielten. Die öffentliche Hand förderte den österreichischen Film damals mit insgesamt 36,6 Mio. Euro in der Herstellung. Dem stehen für das Jahr 2016 öffentliche Mittel für die Herstellungsförderung von rund 53,5 Mio. Euro gegenüber; eine Steigerung von 46%. Die Erlöse und Erträge aber sind um rund 100% gestiegen.

Im Jahr 2016 stehen jedem Euro an öffentlichen Mitteln aus der Herstellung 27,6 Euro an Umsätzen der Branche gegenüber. Die Subventionsquote der Filmwirtschaft, bezogen auf den Umsatz, liegt somit bei lediglich 4,9%. Der Hebel, der durch gezielte Filmförderung entsteht, ist also beträchtlich und unterstreicht, zusätzlich zur unbestrittenen kulturellen Komponente, die (volks-)wirtschaftliche Relevanz von Filmförderung.

Im kommenden Jahr ist an einen sanften Relaunch des Filmwirtschaftsberichts gedacht. Wir beabsichtigen, die Dynamiken der Branche im sich rasant verändernden Umfeld noch besser und gezielter abzubilden, damit der Bericht (auch) eine dienliche Grundlage für moderne förderpolitische Überlegungen darstellt.


Mag. Roland Teichmann,
Direktor Österreichisches Filminstitut
November 2018