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  • Physische Bild- und Tonträger erreichen 2017 in Österreich mit 7,4 Mio. Stück einen Umsatz von 95,7 Mio. Euro, dies bedeutet erneut einen deutlichen Rückgang (minus 19% bei den Stückzahlen und minus 20% beim Umsatz) gegenüber dem Vorjahr. Vor allem aber wird die Grenze von 100 Mio. Euro unterboten. Die beliebtesten Genres der Österreicher*innen sind Action, Unterhaltung, Komödie und zunehmend Kinderangebote.
  • Deutschland erzielt beim Verkauf und Verleih filmischer Inhalte einen leichten Zuwachs von plus 3%, die digitalen Zuwächse (zum dritten Mal in Folge, vor allem durch SVOD) aber können die Verluste bei physischen Datenträgern ausgleichen.
  • In den USA erreichen die Umsätze aus den elektronischen Vertriebsformen nach erneuten Steigerungen um 19,5% 13,7 Mrd. USD, vor allem SVOD wuchs um 31,5% und ist bereits für 9,5 Mrd. USD Umsatz verantwortlich.


Der Markt für Bewegtbild bleibt nach wie vor in Bewegung. Welche Vertriebskanäle sich durchsetzen, welche Vertriebsformen verschwinden und welche eine Nischenaufgabe übernehmen, ist noch immer weitgehend offen. Vor allem aber offen ist, welche Auswirkungen diese Entwicklungen der technischen Vertriebsformen auf die Produktion haben werden. Die digitalen Technologien sind in ihren Auswirkungen auf die Produktion und den Vertrieb von Filmen kaum weniger relevant als der Siegeszug des Fernsehens in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang sind neue Allianzen und strategische Partnerschaften vielleicht ein erster Hinweis auf künftige Entwicklungen.

Endgültig festgeschrieben ist der Untergang der Videotheken. Nach langen Jahren des hinhaltenden Widerstandes hat die digitale Verbreitung aber nun auch mehr als deutliche Auswirkungen auf den Verkauf von Blu-Ray und DVD. Vergleichsweise gut hält sich (zumindest auf den ersten Blick) das lineare Fernsehen, vor allem was die Erlöse aus Werbeeinschaltungen anlangt. Darüber spielen in diesem Zusammenhang auch Spiele bzw. die dafür genutzte Hardware eine nicht unwesentliche Rolle. In den angelsächsischen Ländern wird der Markt konsequenterweise auch umfassend als Home Entertainment betrachtet, der alle Spielarten der elektronischen Unterhaltung umfasst.

Ob und wie die traditionelle Form der Nutzung eines Films im Kino und die Nutzung im linearen TV betroffen sein werden, muss sich erst zeigen. Vor allem zeigen wird sich, ob die Entwicklung entlang einzelner Altersgruppen vergleichsweise harmonisch verläuft.

Das klassische Modell der Vertriebskaskade über das Kino zu DVD, Video on Demand und dann Pay-TV bis letztlich Free-TV wird zunehmend durchbrochen. Nicht zuletzt das große Interesse an TV-Serien hat hier zu einem Umbruch geführt. Streamingdienste wie Netflix (das seit September 2014 auch in Österreich und Deutschland angeboten wird), Hulu oder Maxdome bieten Serienfolgen bereits vor der Ausstrahlung im Fernsehen an, monatliche Gebühren oder Pay-per-view Modelle erlauben individualisierten Konsum. Kooperationen von Streamingdiensten mit Pay-TV aber sogar Free-TV wird die Verwertungskaskade weiter aufweichen, genauso wie die Präsentation von Produktionen von Streaming-Diensten im Kino oder auf den Major Festivals.

Das Angebot an Vertriebskanälen für Konsument*innen wird immer breiter, Seher*innen können zwischen einer Vielzahl von Möglichkeiten wählen, um die gewünschten Inhalte zu erhalten. Neben dem Kauf einer DVD oder Blu-Ray - auch mittels elektronischer Bestellung oder im Abo - und der Videothek, sind es vor allem die elektronischen Vertriebsformen, die zur Dynamik des Marktes beitragen. Video on Demand als Streaming oder Download, für eine einmalige oder mehrmalige Nutzung (DTO: Download to Own), mit oder ohne Möglichkeit der Speicherung oder sogar der Übertragung der Inhalte auf einen Datenträger (DTB: Download to Burn), als Einzelkauf (TVOD: Transactional Video on Demand oder Pay-per-view) oder im Rahmen eines Abonnements (SVOD: Subscription Video on Demand).

Die Marktentwicklung in den USA zeigt erneut Wachstum: Die Umsätze stiegen 2017 um 5% und liegen damit nun nach 18,3 Mrd. USD (2016) im Jahr 2017 bei 22,5 Mrd. USD. Der Verkauf von physischen Bildträgern ist von 5,491 Mrd. USD im Jahr 2016 um 14,1% auf 4,716 Mrd. USD zurückgegangen. So wie in den meisten Märkten über die letzten Jahre zu beobachten, ist auch in den USA der Rückgang der Erlöse aus dem Verleih weiter fortgeschritten. Der Umsatz mit dem Verleih (ohne VOD) ging um 17% zurück und liegt 2017 bei 2,12 (zuletzt: 2,47) Mrd. USD. Der Umsatz mit Video on Demand ist aber ebenfalls gesunken: Damit beträgt der Rückgang unter Berücksichtigung des elektronischen Verleihs minus 12,5%.

Die Gesamtbilanz wird wie in den letzten Jahren nur durch beeindruckende Anstiege der elektronischen Vertriebsformen gerettet, die im Jahr 2017 um 19,5% auf 13,7 Mrd. USD zugenommen haben und damit einen neuen historischen Höchstwert erreicht haben. Der elektronische Verkauf von Filmen (auch als EST: Electronic Sell Through bezeichnet) wuchs um 5,7% und erzielte 2017 damit einen Umsatz von bereits 2,154 Mrd. USD.

Die höchsten Umsätze innerhalb der digitalen Vertriebsformen erzielen nach einer neuerlich sehr deutlichen Steigerung von 31,1% auf nun 9,5 Mrd. USD die Streamingdienste im Abonnement (SVOD). Demgegenüber verloren VOD-Dienste, die jeweils pro Film abrechnen, um 7% auf unter 2 Mrd. USD. (DEG’s Year-End 2017 Home Entertainment Report)

Auch in Großbritannien war 2017 wie in den Jahren davor ein erheblicher Zuwachs von digital verkauften Inhalten zu beobachten. Damit konnten (so wie in den USA) die Verluste aus dem Rückgang der physischen Datenträger kompensiert werden, der Gesamtumsatz stieg um sehr hohe 7,5%. In Summe werden damit in UK nach den 2,5 Mrd. Pfund aus 2016 im Jahr 2019 2,69 Mrd. Pfund mit Videoinhalten erlöst.

Während der Umsatz mit physischen Bildträgern von 942 Mio. Pfund auf 783 Mio. schrumpfte (minus 16,9%), konnten digitale Vertriebsformen von 1.559 Mio. Pfund auf 1.906 Mio. Pfund und damit um 22,2% zulegen. Der Anteil der digitalen Vertriebsformen liegt damit schon bei 70,9%. Wie auch in den USA sind dafür vor allem Abonnementdienste wie Netflix, Amazon Prime oder Sky Sore verantwortlich, die ihre Umsätze um 28% im Jahresabstand steigern konnten.

In Deutschland sind die Ausgaben für den Verkauf und Verleih filmischer Inhalte nach einem Rückgang 2016 wieder leicht gestiegen, vor allem weil SVOD deutlich wächst. Nach 1,772 Mrd. Euro im Jahr 2016 waren es 2017 1,825 Mrd. Euro, also plus 3%. Der Erlös aus Verkäufen nimmt dabei um 8% ab, bei den Umsätzen aus Verleih sind es minus 7%. Was aber den Markt stabilisiert ist neuerlich SVOD, das von 326 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2016 auf 488 Mio. Euro im Folgejahr anwächst und damit das Vorjahresergebnis um 50% (!) übertrifft.

In Summe erzielt damit der digitale Markt 42% des Gesamtumsatzes. Die Anteile an Nutzer*innen von TVOD beträgt 9%, SVOD erreicht 13%, was rund 9 Millionen Konsument*innen entspricht. Seit 2015 hat sich damit die Zahl der Nutzer*innen von SVOD fast verdoppelt.

(Der Videomarkt im Jahr 2017, GfK im Auftrag der Filmförderungsanstalt)