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Filmwirtschaft in kleinen Märkten ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Filmschaffende, Produktionsunternehmen, Verleihfirmen, Kinobetreiber*innen und nicht zuletzt Förderstellen stehen vor beträchtlichen Aufgaben.

Auf den ersten Blick stimmt die Richtung: Die Umsätze, die Beschäftigungslage und die Investitionen sind stabil bis steigend. Besuchszahlen in den Kinos und die Umsätze des Box Office zeigen keine signifikanten Rückgänge.
Das zunehmende Verschwinden der Videotheken ist ein bereits langanhaltender Trend. Allen Beteiligten ist bewusst, dass Digitalisierung, non-lineares Fernsehen, Streaming und andere Entwicklungen vor allem im Netz den Filmkonsum weiter massiv verändern werden.

Die Rahmenbedingungen für die Produktion, den Vertrieb und die Verwertung von Filmen werden zunehmend neu definiert. Dabei spielen Technologie, neue Marktmechanismen und Politik in vielschichtigen Wechselbeziehungen zusammen.

Der Filmwirtschaftsbericht spiegelt diese Entwicklungen wider: Oberflächlich betrachtet in Form einer Fortschreibung der Daten, aber unter der Oberfläche ändern sich Inhalte, Strukturen und Datenquellen mit beträchtlicher Geschwindigkeit. Filme entstehen meist über mehrere Jahre hinweg und die Verwertung zieht sich in Einzelfällen über viele Jahre. Der auf ein Berichtsjahr fokussierte Ausschnitt der Daten ist daher immer auch in seiner zeitlichen Gesamtentwicklung zu sehen.

Das Filminstitut muss daher auf kontinuierliche Datenstrukturen abzielen. Wenn Filme bei unterschiedlichen Förderinstitutionen differierende Strategien erkennen lassen und bisweilen auf eine Kategorisierung gänzlich verzichtet wird, ist etwa die Unterscheidung zwischen Kino- und TV-Filmen immer schwerer aufrecht zu erhalten.

Die zunehmende Ausdifferenzierung der Kanäle für die Ausspielung von Bewegtbildern gestattet gesamthaft betrachtet daher nur eingeschränkte Aussagen zu Publikumszahlen. Das gilt in erster Linie für die europäischen Produktionen und besonders für die österreichischen Filme, wenn es darum geht, Reichweiten zu einer verlässlichen Gesamtzahl an Besucher*innen oder Seher*innen zu aggregieren.

Das Filminstitut setzt alles daran, auch in Zukunft möglichst umfassend zu dokumentieren, was mit den Filmen geschieht, die durch Mittel der Steuerzahler*innen (mit) finanziert werden. Eine Neudefinition von Meldeverpflichtungen für geförderte Produktionen, ist daher ein Ziel.

Die Finanzierung der österreichischen Filmwirtschaft ist angesichts der technologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen eine zunehmend komplexere Aufgabe. Das Filminstitut nimmt seine Rolle in der heimischen Produktions- und Förderlandschaft aktiv wahr und entwickelt daher laufend neue Konzepte und Ansätze zum Erhalt und Ausbau der Dokumentation des österreichischen Films im europäischen und weltweiten Wettbewerb.

Mag. Roland Teichmann,
Direktor Österreichisches Filminstitut
November 2017