nach oben| Struktur der Kinobesuche
Im Auftrag des Kinowerbevermarkters cinecom führt das Marktforschungsinstitut GfK seit 2011 eine repräsentative Mediengattungsstudie (cine.ma) zur Messung der Struktur und des Besuchsverhaltens der KinogeherInnen durch, welche unter anderem auch die wichtigen soziodemografischen Informationen liefert.

Durch eine Kooperation des Österreichischen Filminstituts mit cinecom ist es möglich, diese Daten für den Filmwirtschaftsbericht zu nutzen und die wichtigsten Angaben zur Struktur der Kinobesuche und der KinobesucherInnen zur Verfügung stellen zu können.

Nach dem Jahr 2012, wo durch den Bruch der Datenquelle der Längsschnitt-Vergleich kaum möglich war, sind nun durch die cine.ma wieder Entwicklungen mit vergleichbarer Datenqualität möglich. Der aktuelle Filmwirtschaftsbericht kann daher auf vier Jahre in Folge eingehen und damit auch mittelfristige Entwicklungen der BesucherInnenstruktur nachvollziehen.

Die cine.ma weist für 2014 die im Beobachtungszeitraum geringste absolute Zahl an KinobesucherInnen (und damit erneut eine schrumpfende Basis für den Kinobesuch) aus: Waren es im Jahr 2011 in Summe 4,2 Millionen KinobesucherInnen (über 14 Jahren), 2012 4,3 Millionen und 2013 3,7 Millionen, sinkt die Zahl der ÖsterreicherInnen, die im Jahr 2014 zumindest einmal im Kino waren erneut und liegt bei nur mehr 3,4 Millionen. Allerdings sei hier angemerkt, dass durch die Erweiterung der GfK Befragungsmethode von 2011 (4.000 Interviews/Jahr) und ab 2013 (8.000 Interviews/Jahr) der Besuchskreis von Kino nun noch präziser ermittelt wird, was den Sprung beim Besuchspotential von 2012 auf 2014 relativiert. In diesen Besuchskreis fließen diejenigen Personen ein, die angeben einmal in den letzten sechs Monaten im Kino gewesen zu sein.

Dieser sinkenden Anzahl der tatsächlichen BesucherInnen eines Kinos steht aber durch das Bevölkerungswachstum ein Anstieg der Zielgruppenpotenziale gegenüber. Insgesamt ist die Zahl der theoretisch erreichbaren Zielgruppen im Alter von 14 und mehr Jahren von 7,18 Millionen (2012) auf 7,24 Millionen Personen (2014) gestiegen. Dabei ist auch wichtig, dass die Kernzielgruppen von 20 bis 59 Jahren zumindest konstant bleiben. Für die Kinos bedeutet das, dass die Gesamtbesuchszahlen von einer kontinuierlich kleiner werdenden Gruppe an BesucherInnen abhängen. Ungeachtet der kurzfristigen Einflüsse des aktuellen Filmangebots in dem einen oder anderen Jahr muss nun die längerfristige Analyse der BesucherInnen zusätzliche Aufmerksamkeit erfahren. Es gilt zu klären, ob das Kino eine fundamentale Veränderung der Zielgruppen erfährt.

Dabei muss aber immer wieder in Erinnerung gerufen werden, dass die Besuchszahlen in den letzten zehn Jahren rund um 17 Millionen sinusartig geschwankt haben. Maßgeblich verursacht wird dies durch das Filmangebot und die Ausrichtung der Filme auf die unterschiedlichen Zielgruppen. Es gibt Jahre, in denen das Filmangebot lediglich enge Zielgruppen anspricht und es gibt Jahre mit mehreren Blockbustern, die jeweils mehr als 800.000 oder 900.000 Besuche erzielen. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, inwieweit dieses Filmangebot die Besuchsfrequenz beeinflusst, oder ob sich die Kinokernzielgruppe tatsächlich substanziell verändert.

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die seit längerem zu beobachtende Veränderung der Altersstruktur der KinobesucherInnen. Traditionelle Vorstellungen, wonach die Besuchsfrequenz mit dem Alter sinkt, haben zwar noch immer ihre Berechtigung, die Unterschiede zwischen den jüngsten und den ältesten Gruppen von BesucherInnen waren allerdings noch nie geringer. Waren die 14 bis 30 Jährigen in den letzten drei Jahren für 42% und mehr aller Kinobesuche verantwortlich, sind es 2014 nur mehr 40%. Umgekehrt sind es die über 50 Jährigen, die 2011 für 18% aller Kinobesuche verantwortlich waren und 2014 bereits für 24%.

Diese insgesamt steigenden Frequenzen des Kinobesuchs der älteren Zielgruppen sind aktuell dafür verantwortlich, dass trotz einer deutlich sinkenden absoluten Anzahl von KinobesucherInnen die Zahlen der verkauften Kinokarten nicht noch deutlicher zurückgehen.

Bedingt durch die kontinuierlich steigenden Anteile der älteren BesucherInnen und durch die ebenfalls steigenden Besuchsfrequenzen der KinogeherInnen ab 50 Jahren ist diese Zielgruppe für rund ein Viertel aller verkauften Kinokarten verantwortlich. Auf Ebene der Personen sind es über ein Viertel der KinobesucherInnen, die ein Alter von 50 Jahren überschritten haben. Teenager machen im Vergleich dazu knapp 13% der BesucherInnen und 15% der verkauften Kinokarten aus.

Traditionell gehen anteilig etwas mehr Männer - und das häufiger - ins Kino als Frauen. Im Jahr 2014 zeigt sich zum zweiten Mal jedoch ein anderes Bild: Es sind 50% Kinobesucher und 50% Kinobesucherinnen und bedingt durch steigende Frequenzen erstmals mehr an Frauen verkaufte Kinokarten: 51% aller Kinobesuche entfallen 2014 auf Frauen.

Das Durchschnittsalter der KinobesucherInnen in Österreich ist erneut gestiegen und beträgt aktuell bereits 40 Jahre.
nach oben| KinobesucherInnen 2011-2014 Lade Tabelle
Quelle: cine.ma
 
nach oben| Kinobesuche 2011-2014 Lade Tabelle
Quelle: cine.ma