nach oben| Fernsehveranstalter
Was unter dem Begriff „Fernsehen“ verstanden wird, ist zunehmend eine Generationenfrage. Für Jugendliche ist die Nutzung von Youtube längst Fernsehen. Und wenn sie es am Smartphone oder Tablet nutzen, dann ist das ebenso Fernsehen wie am großen Bildschirm im Wohnzimmer, wo Youtube natürlich auch verfügbar ist. Die Definition des Begriffs „Fernsehen“ ist auf jeden Fall im Wandel. Daran haben die Markteintritte der Online-Videoanbieter Netflix und Amazon Instant Video im Herbst 2014 in Österreich erheblichen Anteil. Zur selben Zeit feierte die österreichische Video-Plattform Flimmit ihren Relaunch und den neuen Miteigentümer ORF. Maxdome, das große deutsche Angebotsportal für Serien und Filme aus dem Netz und betrieben von der ProSiebenSat.1-Gruppe, ist schon seit November 2013 auch in Österreich nutzbar. Sie alle sind längst auf dem einen oder anderen Weg auch auf den großen Fernsehschirm und treten dort mit traditionell verbreiteten linearen Angeboten in Wettbewerb.

Man kann darüber diskutieren, ob Netflix, Flimmit & Co. nun wirklich Fernsehen, oder doch nur die Verlagerung der guten alten Videothek in das Internet darstellen. Von Bedeutung ist dabei aber sicher auch, wie diese Angebote genutzt werden. „Binge Watching“ ist ein Modebegriff des neuen Trends, am ehesten mit „Koma-Fernsehen“ übersetzbar. Beschrieben wird damit das Anschauen mehrerer Folgen einer Fernsehserie en suite. Geschäftsmodelle, mit denen für weniger als 10 Euro im Monat unlimitiert auf den gesamten Inhalt des Anbieters zugegriffen werden kann, machen Binge Watching erst so richtig möglich. Klingt nach einem Auswuchs, die Wahrheit ist aber, dass kaum ein/e Netflix-NutzerIn nur eine Serienfolge am Abend schaut. Dabei kann die Serie parallel durchaus auch im linearen Free-TV angeboten werden. Auf Netflix stören dafür keine Werbeunterbrechungen und es kann dann geschaut werden, wenn der persönliche Zeitplan es zulässt. Damit wird klar, dass die Nutzung der Online-Portale Auswirkungen auf die Nutzung linearer Fernsehprogramme haben muss.

Dennoch sagen ExpertInnen, dass die Online-Anbieter dem klassischen, linearen Fernsehen (noch) nicht das Wasser abgraben. Keine Frage: dem herkömmlichen Fernsehen geht es immer noch sehr gut. Die Sehdauer der ZuschauerIn ab 12 Jahren steigt kontinuierlich an. Im Vergleich der Jahre 2013 und 2014 ist sie um vier auf 172 Minuten angewachsen. Bei genauerer Betrachtung profitiert das Fernsehen dabei vom demografischen Wandel, denn es sind die älteren Menschen, die mit längerem Fernsehkonsum den Durchschnitt heben. Die Jungen aber nutzen Fernsehen nebenbei, adaptieren Verhaltensweisen, die die Eltern für Radio entwickelt haben, für TV. Das klassische Fernsehen ist von einer Nutzungskrise sicher noch weit entfernt. Film- und Fernsehschaffende müssen sich aber vergegenwärtigen, dass die Online-Rechte ihrer Produktionen eine Währung mit stetig steigendem Wert darstellen.

Auch 2014 hat sich auf dem Markt österreichischer Fernsehveranstalter im klassischen Sinne kaum etwas getan. Neben den ORF Programmen „ORF EINS“, „ORF 2“, „ORF III Kultur und Information“ und „ORF Sport+“, agieren auf nationaler Ebene weiterhin fünf private TV-Programme österreichischer Herkunft: „ATV“, „ATV II“, „Puls 4“, „ServusTV“ und das Musikspartenangebot „gotv“ sind via Satellit, Kabel und Terrestrik zu empfangen.

Weiterhin stellen vor allem regionale und lokale Angebote den zahlenmäßig größten Anteil österreichischer Fernsehprogramme. Diese Programme werden überwiegend nur in Kabelnetzen, zum kleineren Teil aber auch digital-terrestrisch verbreitet.

PRIVATE FERNSEHVERANSTALTER IN ÖSTERREICHISCHEN KABELNETZEN
(KABELRUNDFUNKVERANSTALTER)
In Österreich gibt eine Vielzahl von lokalen und regionalen Kabel-Fernsehveranstaltern, die über eine Anzeige gemäß Audiovisuellen Mediendienstegesetz (AMD-G) verfügen. Hinzu kommen 24 (2014: 16) Kabel-Fernsehveranstalter, die in mehreren österreichischen Kabelnetzen verbreitet werden und daher als „österreichweit“ ausgewiesen sind.

Die in einigen Bundesländern auffällig hohe Zahl an Veranstaltern ist dort durch eine hohe Dichte kleinräumiger Kabelnetze bedingt, in denen jeweils andere, regionale bzw. lokale Veranstalter TV-Programme verbreiten. Häufig veranstaltet der Kabelnetzbetreiber selbst ein Kabel-Fernsehprogramm oder die TV-Programme sind rein touristischer Natur und liefern ausschließlich Panoramabilder mit Wetterinformationen.

PRIVATE FERNSEHVERANSTALTER AM SATELLIT
Per Juni 2015 verfügten 23 (2014: 27) TV-Veranstalter über Zulassungen für 29 (2014: 37) Fernsehprogramme.

Auf der Seite https://www.rtr.at/de/m/Fernsehveranstalter können alle in Österreich angezeigten bzw. zugelassenen Veranstalter von Fernsehprogrammen abgerufen werden.

PRIVATE FERNSEHVERANSTALTER MIT TERRESTISCHER VERBREITUNG
(ANTENNENFERNSEHEN BZW. DVB-T/DVB-T2)
In Österreich sind 29 Zulassungsinhaber per November 2015 (2014: 31) für digitales terrestrisches Fernsehen zu verzeichnen. Ein Veranstalter verbreitet zwei TV-Programme. In Summe werden also 30 TV-Programme digital-terrestrisch, aber in unterschiedlichen Versorgungsgebieten, ausgestrahlt.

Fünf Zulassungen umfassen die Programmverbreitung über die Muxe A, B, D, E oder F, sind also bundesweit ausgelegt. Die Muxe D, E und F verbreiten TV-Programme in dem neuen digitalterrestrischen Übertragungsstandard DVB-T2. Der bisherige DVB-T-Mux B wird seit Ende 2014 sukzessive auf den Betrieb mit dem Standard DVB-T2 umgestellt. Dadurch wächst auch das Verbreitungsgebiet des Programms ATV II, das zuvor nur auf drei „Inseln“ des Regional-Mux C, nämlich in Wien, Innsbruck und Bregenz Platz gefunden hatte. Bis Sommer 2015 konnte ATV II nun schon auf die zum Standard DVB-T2 umgestellten B-Muxe in Kärnten und Ost-Tirol, Tirol und Vorarlberg umsiedeln und ist dort nun nahezu bundeslandweit zu empfangen. Im Raum Wien und Umgebung ist ATV II noch bis Herbst 2015 im Standard DVB-T über den regionalen Mux C zu empfangen. Im Oktober wird der Mux B auch in Wien auf DVB-T2 umgerüstet. Dann wird ATV II auch dort vom Mux C auf den Mux B wechseln.

Die Umstellung des Mux B hat außerdem bewirkt, dass nun neben ORF EINS, ORF 2 und ServusTV auch das private ATV per Antenne in immer mehr Regionen Österreichs in HD-Qualität empfangen werden kann. Auch Puls 4 ist seither in HD zu sehen, allerdings nur in einem Bezahlpaket, in dem dafür auch weitere 26, zumeist deutsche Programme und viele davon in HD, enthalten sind.

AUDIOVISUELLE MEDIENDIENSTE- UND WEBTV- (STREAMING) ANBIETER (INTERNET)
Die Zahl der Anbieter von Mediendiensten auf Abruf über das Internet beträgt laut Verzeichnis der Kommunikationsbehörde Austria 112 Anbieter zum Stand Juni 2015 (2014: 118). Diese 112 Anbieter haben 151 Mediendienste (2014: 163) auf Abruf angezeigt. Ein wenig deuten die Zeichen hier schon auf Konsolidierung der Angebotsvielfalt.

19 weitere Anbieter (2014: 20) werden als Internet-Fernsehveranstalter gelistet, da Ihre Angebote nicht auf Abruf, sondern als Stream zur Verfügung stehen. Sie haben 58 WebTVDienste (Streaming) angezeigt, von denen allerdings allein 36 Programmangebote (2014: 33) auf den Mobilfunkbetreiber Hutchinson 3 Austria GmbH („3“) entfallen und nur für dessen Kunden verfügbar sind.

FÖRDERUNG VON FERNSEHVERANSTALTERN
Laut Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH, tragen die Fördermittel des Privatrundfunkfonds nachhaltig zur Stabilität des österreichischen Rundfunkmarktes (TV und Hörfunk) bei.

2014 standen im Rahmen des Privatrundfunkfonds insgesamt rund 15 Mio. Euro zur Verfügung. Zum ersten Antragstermin wurden 191 Anträge im Bereich Fernsehen gestellt. 12,1 Mio. Euro wurden an 44 Privatfernseh- und 44 Privathörfunkveranstalter vergeben, dabei gingen knapp 8 Mio. Euro an Fernsehveranstalter.

Zum zweiten Antragstermin wurden 249 Anträge gestellt. Davon kamen 82 aus dem TV-Bereich, es wurden 2 Mio. Euro an Fernsehveranstalter vergeben.