nach oben| Filmförderung in Europa
Audiovisuelle Werke und insbesondere der Film spielen eine wichtige identitätsstiftende Rolle für Europa. Sie spiegeln die kulturelle Vielfalt der Mitgliedstaaten und Regionen der Europäischen Union mit ihren unterschiedlichen Traditionen und ihrer jeweiligen Geschichte wider. Audiovisuelle Werke sind sowohl Wirtschaftsgüter, die zu Wohlstand und Beschäftigung beitragen können, als auch Kulturgüter, die die Gesellschaft abbilden und formen.

Unter reinen Marktbedingungen würden viele europäische Filme nicht produziert werden, da die Produktion investitionsintensiv und das Publikum für europäische audiovisuelle Werke begrenzt ist. Deshalb fördern die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission die audiovisuelle Produktion und erschließen für ihre Kulturschaffenden und künstlerischen Talente einen Freiraum, in dem sie sich entfalten können; damit fördern sie auch die Vielfalt und den Reichtum der europäischen Kultur. Die Mitgliedstaaten unterstützen die Produktion von Filmen, Fernsehprogrammen und anderen audiovisuellen Werken mit einem breiten Spektrum von Maßnahmen. Die von den Mitgliedstaaten insgesamt gewährte Filmförderung wird auf 3 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Filmfonds stellen jährlich Fördermittel in Höhe von 2,1 Mrd. Euro bereit. Der Untersuchung zu den wirtschaftlichen und kulturellen territorialen Auflagen im Rahmen von Filmförderregelungen zufolge gewähren die Mitgliedstaaten darüber hinaus schätzungsweise 1 Mrd. Euro pro Jahr durch Steueranreize für die Filmindustrie.

Die EU-Filmwirtschaft produzierte 2012 insgesamt 1.299 Filme¹. In den USA wurden insgesamt 817 und in Indien 1.274 Filme produziert (2011). 2008 wurde der Wert des europäischen audiovisuellen Marktes für Spielfilm- und Fernsehunterhaltung mit 17 Mrd. Euro beziffert. Über eine Million Menschen in der Europäischen Union sind im audiovisuellen Bereich beschäftigt.

Die Mittel für die Produktion von Filmen werden im Rahmen von über 600 nationalen, regionalen und lokalen Förderregelungen bereitgestellt. Dies geschieht sowohl aus kulturellen als auch aus wirtschaftlichen Gründen. In erster Linie soll die Unterstützung gewährleisten, dass die nationale und regionale Kultur und das vorhandene kreative Potenzial in den audiovisuellen Medien Film und Fernsehen ihren Ausdruck finden. Ferner soll damit die für die Entwicklung und Konsolidierung der Branche notwendige Dynamik erreicht werden.


¹ 2013: 1.528
Quelle: Kinomitteilung der Europäischen Union, 2013
nach oben| Die neue Kinomitteilung
Die Europäische Kommission hat im November 2013 eine Neufassung der sogenannten „Kinomitteilung“ verabschiedet. In der „Mitteilung über staatliche Beihilfen für Filme und andere audiovisuelle Werke“ definiert die Kommission die Genehmigungskriterien, die für die Vereinbarkeit von öffentlichen Förderungen im audiovisuellen Bereich mit dem Beihilferecht der EU gelten. Bis vor kurzem stützte sich die Kommission bei dieser Beurteilung auf die Regelungen der Kinomitteilung 2001 und deren befristete Verlängerungen. Im Jahr 2011 wurde ein öffentliches Konsultationsverfahren begonnen, das eine Anpassung der zehn Jahre alten Regelung an die neuen Gegebenheiten zum Ziel hatte.

Änderungen im Überblick:
• territoriale Bindung der Fördermittel: Bislang konnte von Produzentinnen eines geförderten Films verlangt werden, dass - unabhängig von der Höhe der gewährten Fördersumme - bis zu 80% des gesamten Filmbudgets in demjenigen Land ausgegeben werden müssen, in dem die Fördermittel gewährt wurden. Mit der neuen Regelung werden Förderhöhe und zulässige Territorialisierung in ein Verhältnis gesetzt, wonach verlangt werden kann, dass bis zu 160% des Förderbetrags in der Region oder dem Mitgliedstaat auszugeben sind, wo die Förderungsmaßnahme bewilligt wurde.
• Ausweitung des Anwendungsbereichs über die Produktion hinaus, auf die vor- und nachgelagerten Bereiche der Filmherstellung.
• Einbeziehung der Kinos, wonach - wie bei Filmen auch - als Prüfungsgrundlage für Fördergenehmigungen die sogenannte kulturelle Ausnahmeregelung gilt.
• die Aufstockung der zulässigen Förder-Höchstgrenze für europäische Koproduktionen auf 60% (bislang 50%).

Siehe auch Kinomitteilung: http://www.filminstitut.at/efad