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Filmfestivals sind periodisch stattfindende, kulturelle Veranstaltungen mit Event-Charakter, die ProduzentInnen und FilmemacherInnen die Chance geben, international auf sich aufmerksam zu machen und Vertriebswege für ihre Filme zu erschließen.

Der „International Guide Film Video Festivals 2013“ (Hrsg. Wolfgang Samlowski) weist nach Ländern sortiert für das Jahr 2012 rund 540 internationale Filmfestivals auf, darunter 78 spezialisierte Filmfestivals für Kurzfilme, 244 für Dokumentarfilme, 59 für TV-Filme, 25 für Werbung und sechs für Wirtschaftsfilme. Filmfestivals wie Berlin, Cannes oder Toronto haben zudem jeweils eine Filmmesse (Filmmarkt) angeschlossen.

Die bedeutendsten Festivals für den Kinofilm sind sogenannte A-Festivals. Als A-Festivals gelten Filmfestspiele mit internationalem Wettbewerb, die beim internationalen Filmproduzentenverband (FIAPF) akkreditiert sind. Der FIAPF versteht sich als weltweite Schnittstelle zwischen Filmfestivals und Filmindustrie und bescheinigt internationalen Filmfestivals die Erfüllung bestimmter Auflagen. Die jährlichen FIAPF-Listen akkreditierter Festivals werden allgemein als Maßstab für die internationale Bedeutung eines Filmfestivals angesehen. Die Festivals von Berlin, Cannes und Venedig gelten als die wichtigsten Filmfestivals weltweit, deren Preise vor allem für die „Filmkunst“ einen hohen Stellenwert haben.

A-Festivals nach FIAPF 2012
Internationale Filmfestspiele Berlin (Deutschland, Februar)
Festival de Cannes (Frankreich, Mai)
Shanghai International Film Festival (China, Juni)
Moscow International Film Festival (Russland, Juni/Juli)
Karlovy Vary International Film Festival (Tschechien, Juli)
Festival Internazionale del film Locarno (Schweiz, August)
World Film Festival Montréal (Kanada, August)
Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica (Venedig, Italien, August/September)
Festival Internacional de Cine de San Sebastián (Spanien, September)
Warsaw Film Festival (Polen, Oktober)
Tokyo International Film Festival (Japan, Oktober)
Festival Internacional de Cine de Mar del Plata (Argentinien, November)
International Film Festival of India (Goa, Indien, November/Dezember)
Cairo International Film Festival (Ägypten, November/Dezember)

Eine jüngere und alternative Entwicklung auf dem Festivalsektor ist das Aufkommen von Festivals im Internet (insbesondere für Kurzfilme), die u.U. eine Neubewertung des Begriffs Filmfestival zur Folge haben. 2012 startete STREAMS - Europas erstes internationales Online Filmfestival. Das Projekt ist eine Initiative von Video on Demand Plattformen aus sieben Ländern, die sich 2010 zum Netzwerk europäischer VoD Anbieter (EuroVoD) zusammengeschlossen haben. Mit STREAMS soll die bestehende Kooperation weiter ausgebaut und das Internet als Distributionskanal gefördert werden. Zur Premiere präsentierten die internationalen Partner 14 aktuelle Filme, die bisher außerhalb ihres jeweiligen Produktionslandes noch nicht veröffentlicht wurden. „Die Vaterlosen“ (Regie: Marie Kreutzer, 2011) und „Stillleben“ (Regie: Sebastian Meise, 2011), zwei international ausgezeichnete heimische Produktionen, wurden für Österreich ins Rennen geschickt.

Die Austrian Film Commission (AFC), die 2012 ihr 25jähriges Bestehen feierte und deren Zielsetzung in der weltweiten und nicht-kommerziellen Promotion des österreichischen Kinofilms liegt, gibt in ihrem Jahresbericht an, dass 2012 insgesamt 25 internationale Premieren österreichischer Produktionen erfolgten. 429 von der AFC unterstützte Festivalteilnahmen für 74 betreute Filme im Jahr 2012 sind ein starkes Signal für die internationale Präsenz österreichischer Filme. Im Vergleich zum Jahr 2011 (69) ist eine geringfügige Steigerung in der Anzahl der betreuten Filme zu verzeichnen (im Jahr 2010 waren es 49), wobei sich die Zahl der betreuten Filme gleichmäßig auf Spiel- und Dokumentarfilme (je 37) verteilt.

Die AFC unterteilt die Festivals dabei in drei Kategorien:
Key Festivals: bei diesen Festivals handelt es sich mehrheitlich um Ur- und Erstaufführungsfestivals, die für den internationalen Ersteinsatz einer Produktion absolute Priorität haben.
Kategorie 1: wichtigste Nachspielfestivals.
Kategorie 2: Nachspielfestivals mit geringerer, meist regionaler bzw. lokaler Bedeutung.

In der Kategorie der Key Festivals konnten 23 Teilnahmen erreicht werden, bei den Festivals der Kategorie 1 waren es 72 Teilnahmen und bei den Festivals der Kategorie 2 in Summe 334 Teilnahmen. Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, da die AFC keine minoritären Koproduktionen betreut und Filme wie „Liebe“ von Michael Haneke oder „More Than Honey“ von Markus Imhoof nicht berücksichtigt.

Hinter den erfreulichen Festivalerfolgen stehen mit Barbara Albert, Ruth Mader und Anja Salamonowitz auch drei namhafte weibliche Filmemacherinnen. Umut Dağ, Julian Roman Pölsler und Hüseyin Tabak feierten vielbeachtete Spielfilmdebüts.

Bei den Preisen des Jahres 2012 ragen zwei Regisseure besonders hervor.
Für „Liebe“ erhielt Drehbuchautor und Regisseur Michael Haneke 2012 seine sechste Einladung in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes und seine zweite „Goldene Palme“ (nach 2009 für „Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte“). Neben zahlreichen anderen Preisen wurde der Film mit vier European Film Awards ausgezeichnet (European Film/European Director/European Actress Emmanuelle Riva/European Actor Jean-Louis Trintignant) und erhielt 2013 den „Golden Globe“ und den „Auslands-Oscar“.

Ulrich Seidl gelang mit der „Paradies: Trilogie“ der Festival Hattrick: „Liebe, Glaube, Hoffnung“ liefen jeweils in den Wettbewerben der Filmfestspiele von Cannes (2012), Venedig (2012) und Berlin (2013). „Paradies: Glaube“ wurde in Venedig mit dem „Special Jury Prize“ und dem „CinemaAvvenire Award for Best Film of Venezia“ ausgezeichnet.

Erfolgsabhängige Filmförderung des Filminstituts
Die Teilnahme an ausgewählten Wettbewerben internationaler Filmfestivals sowie Preise und Auszeichnungen qualifizieren österreichische Kinofilme auch als Referenzfilme im Rahmen der erfolgsabhängigen Filmförderung (Referenzfilmförderung) des Österreichischen Filminstituts.
Der/die Produzentin des Referenzfilms kann die vom Filminstitut zur Verfügung gestellten Mittel nach eigener Entscheidung für die Herstellung eines neuen Projekts, bzw. bis zu 80.000 Euro für Stoff- und Projektentwicklung sowie sämtliche Maßnahmen der Verwertung verwenden.
Im Jahr 2012 haben vier Filme aufgrund von Preisen und Teilnahmen an Festivalwettbewerben (in Kombination mit Kinobesuchen) die Voraussetzung für die Beanspruchung von Referenzmittel beim Filminstitut erfüllt:
„Liebe“/Wega Film, Regie: Michael Haneke, Cannes: „Goldene Palme“
„Paradies: Glaube“/Ulrich Seidl Film, Regie: Ulrich Seidl, Venedig: Spezialpreis der Jury
„Paradies: Liebe“/Ulrich Seidl Film, Regie: Ulrich Seidl, Cannes (Wettbewerb)
„Die Wand“/Coop 99 Film, Regie: Julian Roman Pölsler, Berlin - Panorama Spezial (Teilnahme).
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1/ Der Glanz des Tages (3 Preise), Museum Hours (1 Preis)
Quelle: Filminstitut