nach oben| Unternehmen, Umsätze und Beschäftigte
Statistik Austria stellt auf Grund neuer Erhebungstechniken Daten zur Filmwirtschaft in einer zuvor nicht gekannten Qualität und Tiefe zur Verfügung. Dabei ist zu beachten, dass die Angaben aus der Leistungs- und Strukturstatistik des Jahres 2010 stammen und damit die Angaben zur Filmwirtschaft ein Jahr hinter dem jeweiligen Berichtsjahr, in diesem Fall 2011, zurückliegen. Es ist nun möglich, einen Vergleich über drei Jahre anzustellen und die wesentlichen Parameter der Filmwirtschaft von der Anzahl der Unternehmen bis hin zum Investitionsverhalten und auch die Beschäftigungssituation detailliert in ihrer Entwicklung darzustellen.

Die Umsätze der Branche werden von Statistik Austria kumuliert erhoben, die Vorleistungen werden nicht abgezogen. Wenn daher innerhalb der Branche Vorleistungen eingekauft werden (was bei der hohen Anzahl von Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und den spezifischen Produktionsbedingungen der Filmproduktion sehr wahrscheinlich ist) werden hier Umsätze mehrfach berücksichtigt. Die präzisere Betrachtung der Branche ist daher über die Bruttowertschöpfung sinnvoll, wo die Vorleistungen bereits abgezogen sind.

In Summe ist die Filmwirtschaft mit 796 Millionen Euro Umsatzerlösen eine relativ kleine Branche. In Anbetracht von Umsatzerlösen der österreichischen Unternehmen (Produktion und Dienstleistung ohne öffentliche Verwaltung, Sozialwesen und Kunst bzw. Unterhaltung und Erholung) von insgesamt 635,5 Mrd. Euro bedeuten diese 796 Millionen Euro der Filmwirtschaft 0,13% der Gesamtumsätze. Bei der Anzahl der Unternehmen erreicht die Branche allerdings 0,71% und bei den Beschäftigten sind es 0,26%. Auf niedrigem Niveau kann damit die Filmwirtschaft ihre relative Bedeutung in der Gesamtwirtschaft ausbauen, bleibt aber eine pro Unternehmen relativ beschäftigungsschwache, vor allem aber umsatzschwache Branche.

Innerhalb der Filmwirtschaft ist der Bereich „Kino- und TV-Film“ mit zwei Drittel der Unternehmen, 50% der Umsätze und fast 50% der Beschäftigten der mit Abstand bedeutendste Bereich. Mit vergleichsweise wenigen Betrieben (105) erwirtschaften die Kinos 22% der Umsätze der Branche und beschäftigen rund 28% aller unselbständig Erwerbstätigen.
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Quelle: Statistik Austria, Leistungs- und Strukturstatistik 2010
 
nach oben| Unternehmen
Die Anzahl der Unternehmen im Längsschnitt betrachtet, zeigt unterschiedliche Entwicklungen. Während Produktion und Nachbearbeitung Zuwächse zeigen (wenn auch nicht mehr so stark wie 2009), wird die Zahl der Kinobetriebe, Filmverleihe und Videotheken von Jahr zu Jahr geringer.
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Quelle: Statistik Austria, Leistungs- und Strukturstatistik 2010
 
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nach oben| Unternehmen nach Größenklassen
Die Branche wird durch kleine Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten dominiert, 95% aller Unternehmen weisen höchstens neun Beschäftigte auf. Bei dieser Verteilung können Details zu Beschäftigten und Umsatzerlösen nach Unternehmensgröße nicht für alle Bereiche ausgewiesen werden, die relative Bedeutung der größeren Unternehmen wird anhand der Produktionsfirmen dargestellt.
Lediglich 3% aller Produktionsunternehmen (das sind 47 Firmen) weisen mehr als neun MitarbeiterInnen auf. Dabei haben 28 Unternehmen zehn bis 19 MitarbeiterInnen, 16 weisen 20 bis 49 MitarbeiterInnen auf und drei Unternehmen haben mehr als 50 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt. 3% aller Produktionsfirmen erzielen 44% der Umsatzerlöse aller und beschäftigen 31% aller MitarbeiterInnen.
Während die Produktionsunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten im Schnitt knapp unter 100.000 Euro pro MitarbeiterIn erwirtschaften, sind es bei den größeren Unternehmen mehr als 170.000 Euro.
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1/ Detailangaben geheim
Quelle: Statistik Austria, Leistungs- und Strukturstatistik 2010
 
nach oben| Umsatzerlöse
2010 konnte die Branche im Wesentlichen den Umsatzrückgang des Jahres 2009 wettmachen und auch gegenüber 2008 deutlich gewinnen. In erster Linie sind es die Produktionsunternehmen im Bereich Kino- und TV-Film, die mit Zuwächsen von fast 23% und Umsätzen von fast 400 Millionen Euro, das Tempo vorgeben.

Angesichts der krisenhaften Erscheinungen hat die öffentliche Hand von 2009 auf 2010 die Förderungen in Form der Auszahlungen für die Produktion von 41,5 Mio. Euro auf 52,7 Mio. Euro gesteigert. Diesem Zuwachs der Förderungen für die Herstellung in Höhe von rund elf Millionen Euro stehen Zuwächse der Umsatzerlöse von deutlich mehr als 70 Millionen Euro gegenüber und insgesamt sind es 400 Millionen Euro Umsatzerlöse, denen 52,7 Mio. Euro Förderungen entgegen zu setzen sind, ein Verhältnis von 1:8.

Während der Wirtschaftsfilm Umsatzzuwächse erzielt, kann der Werbefilm nur knapp die Ergebnisse des Jahres 2008 erreichen. Der zweite große Umsatzbringer, das Kino, hatte 2010 nicht nur keine Verluste, sondern sogar Umsatzzuwächse zu verzeichnen, konnte aber gegenüber dem guten Jahr 2009 nur um 2,8% zulegen.

Das zweite Mal in Folge verzeichnen Verleihe ein Plus im zweistelligen Bereich. Obwohl die Zahl der verkauften Kinokarten 2010 rückläufig war (-1,6 Millionen Besuche gegenüber 2009) konnte ein Umsatzzuwachs von 18% erreicht werden. Hier sind einerseits die steigenden Kartenpreise von 2009 auf 2010 (vor allem wegen des großen Erfolgs der 3D Blockbuster mit dem entsprechenden Preisaufschlag) zu beachten, zum anderen sind die Folgen der weitreichenden Digitalisierung für die Verleihe vermutlich sehr lukrativ. Bei den Videotheken ist erneut ein Umsatzrückgang festzustellen, allerdings etwas verlangsamt.

Betrugen 2009 die Rückgänge noch 18%, sind es 2010 nur mehr 5,6%. Damit haben die Videotheken in zwei Jahren ein Fünftel der Umsätze verloren, was nicht zuletzt auf die kontinuierlichen Preissenkungen bei DVDs und die Entwicklung der Streaming- und Downloadmöglichkeiten zurückzuführen ist. Der durchschnittliche Kaufpreis einer DVD bzw. Blu-ray betrug 2010 unter 13 Euro.

Der Umsatzzuwachs der Kinos ist trotz des nicht besonders guten Kinojahres 2010 erreicht worden. Darüber hinaus verbuchen Mehrsaalkinos höhere Umsätze aus Gastronomie und anderen Umsatzbringern. Durch die Kinokonzentration ist die Diskrepanz zwischen der Anzahl der Betriebe und dem Anteil an den Branchenumsätzen weiter verschärft worden: Die Kinos mit einem Anteil von 4,8% aller Unternehmen erzielen 21,9% aller Umsätze. Bei den Verleihen entfallen auf 3,2% der Betriebe 11% der Branchenumsätze. Im Gegensatz dazu müssen sich bei den Produktionsfirmen 67,3% aller Betriebe mit der Hälfte der Umsätze begnügen.
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Quelle: Statistik Austria, Leistungs- und Strukturstatistik 2010
 
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nach oben| Beschäftigte
Die Beschäftigtenzahl korrespondiert nicht unbedingt mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Produktionsfirmen, die bei den stark gesunkenen Umsätzen 2009 kaum Personal abgebaut haben, beschäftigen 2010 bei deutlich steigenden Umsatzzuwächsen um 0,9% mehr Personal. Videotheken verlieren aufgrund der sinkenden Bedeutung und Kinos verlieren aufgrund der Konzentration weiter an Beschäftigten.

Diese strukturellen Veränderungen führen dazu, dass die Bedeutung der Produktionsunternehmen als Arbeitgeber weiter zunimmt: Produktionsfirmen für Kino- und TV-Film beschäftigen mittlerweile 47,7% aller Menschen in der Branche. Noch auffälliger wird die Bedeutung der ProduzentInnen bei der Analyse der Löhne und Honorare. Nicht weniger als 57,9% der Personalaufwendungen werden von diesen Produktionsfirmen geleistet, die damit überdurchschnittlich zahlen. Noch größer ist diese Diskrepanz bei den Verleihfirmen, wo 3,9% der Beschäftigten 6,3% der Personalkosten verursachen. Umgekehrt zahlen Kinos und Videotheken deutlich unter dem Branchenschnitt. 28,1% der Beschäftigten arbeiten in Kinos und machen 19,3% des Personalaufwands aus. Bei den Videotheken stehen 4,4% der Personalaufwendungen für 9,6% der Beschäftigten.
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Quelle: Statistik Austria, Leistungs- und Strukturstatistik 2010
 
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nach oben| Unselbständig Beschäftigte
Bedingt durch den sehr hohen Anteil an EPUs bei den Produktionsunternehmen machen die unselbständig Beschäftigten knapp 40% aus, während in der gesamten Branche 70% aller Beschäftigten unselbständig sind.
Auf die Kinos entfallen mit 38% nur unwesentlich weniger Lohn- und GehaltsempfängerInnen als auf die FilmproduzentInnen. Während aber die Kinos als Arbeitgeber um 2,8% weniger MitarbeiterInnen beschäftigten, haben die Produktionsfirmen im Vergleich zu 2009 um 9,4% mehr MitarbeiterInnen gemeldet. Neben den Kinos verzeichnen Unternehmen im Bereich Wirtschaftsfilm mit minus 11,9% und die Videotheken mit minus 12,7% die größten Reduktionen an Angestellten. Anteilig etwas höher als bei den Kino- und TV-Filmunternehmen sind die Zuwächse an unselbständig Beschäftigten mit 10,6% bei den Verleihfirmen. Diese uneinheitlichen Entwicklungen führen insgesamt zu einer moderaten Zunahme der unselbständig Beschäftigten um 1,3% und damit kaum mehr als bei der Gesamtheit der Beschäftigten.
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Quelle: Statistik Austria, Leistungs- und Strukturstatistik 2010
 
nach oben| Personalaufwand in %
 
 
nach oben| Struktur der Unternehmen
Der Fachverband der Film- und Musikindustrie erhebt jährlich Strukturdaten auf Basis der Gewerbeberechtigungen im eigenen Wirkungsbereich. Dabei unterscheidet der Fachverband zwischen EPUs und Unternehmen, die auch MitarbeiterInnen beschäftigen. Während Statistik Austria nach dem unternehmerischen Schwerpunkt - unabhängig von den Gewerbeberechtigungen - erhebt und die einzelnen Einheiten dem tatsächlichen Schwerpunkt zuordnet, erfasst der Fachverband ausschließlich die dem Industriebereich unterliegenden einschlägigen Gewerbeberechtigungen - diese Daten sind daher mit den Ergebnissen von Statistik Austria nur sehr bedingt vergleichbar.

Nach Jahren der Steigerungen (vor allem durch die rasante Zunahme der EPUs) ist 2011 eine Abnahme der Gewerbeberechtigungen zu verzeichnen. Während die aktiven Gewerbeberechtigungen zurückgehen, steigt die Zahl der ruhend gestellten Berechtigungen, was in Summe zu einer leichten Abnahme der Gesamtzahl führt. Vor allem die Anzahl der EPUs geht zurück, die Betriebe mit Beschäftigen hingegen zeigen leichte Wachstumstendenzen. Das ändert aber nichts am hohen Anteil von 93% der EPUs an der Gesamtzahl der Unternehmen.
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Quelle: Fachverband der Film- und Musikindustrie
 
nach oben| Unternehmen mit/ohne MitarbeiterInnen Lade Tabelle
Quelle: Fachverband der Film- und Musikindustrie
 
nach oben| Produktionswert fertiggestellter Filme
Eine Kenngröße stellt der Produktionswert fertiggestellter Filme dar. Gemessen wird dabei der österreichische Anteil an den Gesamtherstellungskosten aller im beobachteten Jahr fertiggestellter Filme. 2011 erreicht dieser Kennwert mehr als 177 Millionen Euro. Der Wert liegt damit deutlich über dem Jahr 2010 (168,4 Mio. Euro). Auf Kinofilme entfallen davon 35,2 Mio. Euro (2010: 35,3 Mio. Euro), auf Fernsehfilme 110,2 Mio. Euro (2010: 99,5 Mio. Euro).
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