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Die Druckversion der Filmwirtschaftsberichte:
Filmwirtschaftsbericht

Filmpolitik ist ohne Information undenkbar.
Der Filmwirtschaftsbericht erfüllt alljährlich die Aufgabe, ausführliche wirtschaftliche Daten, die nicht nur für strategische filmpolitische Maßnahmen, sondern auch für unternehmerische Einzelentscheidungen relevant sind, zu liefern.
Jahr für Jahr werden Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität und auch der Nutzbarkeit gesetzt. Mit dieser Ausgabe steht für die ökonomische Betrachtung der Filmwirtschaft mit den Daten der Leistungs- und Strukturstatistik von Statistik Austria eine detailliertere Betrachtung der Filmwirtschaft zur Verfügung.

Die Daten der Sekundärverwertung durch Bildträger (DVD und VHS) beruhen nach wie vor auf Hochrechnungen und Schätzungen durch Ländervergleiche.


FILMWIRTSCHAFT
Die Filmwirtschaft umfasst die Filmherstellung (in Form von Auftrags- und Eigenproduktion), Kinobetriebe, die Nachbearbeitung und sonstige Filmtechnik, Filmverleih und -vertrieb sowie die Videotheken. Durch die erstmals zur Verfügung stehende Leistungs- und Strukturerhebung der Statistik Austria können nun die Daten für 2008 detaillierter als im Filmwirtschaftsbericht 2009 dargelegt werden.

Der Gesamtumsatz der Filmwirtschaft erreichte im Jahr 2008 690,7 Mio. Euro. Von den Umsätzen entfallen 49% auf die Produktion von Kino- und Fernsehfilmen und rund 10% auf Filmverleih und -vertrieb. Das Kino erreicht rund 21% des gesamten Branchenumsatzes. Die Filmbranche umfasst 2.164 Unternehmen mit 6.801 MitarbeiterInnen, 4.735 davon unselbständig.

In Österreich gibt es 108 TV-Veranstalter im Kabelbereich, 22 die über Satelliten ausstrahlen, 10 analoge Anbieter (ohne ORF regional) und 24 terrestrisch-digitale. Inklusive Doppelnennungen für unterschiedliche Betriebsformen sind diese Veranstalter mit 195 Programmen in Österreich präsent. Von den Veranstaltern haben 20 Daten zum Vergabevolumen zur Verfügung gestellt. Auf Basis dieser Meldungen ergibt sich ein Vergabevolumen (inkl. Teamanmietungen und im Fall des ORF der Beiträge zum Film/Fernseh-Abkommen) in der Höhe von knapp 113 Mio. Euro. Der mit Abstand größte Teil entfällt mit 105 Mio. Euro auf den ORF, der damit von zentraler Bedeutung für die Branche ist.

Innerhalb der vom ORF direkt beauftragten Unternehmen ohne Film/Fernseh-Abkommen gingen rund 95% des Vergabevolumens an 31 ProduzentInnen, 66 Firmen teilten sich 5% des Vergabevolumens. Die Vergaben für „Serie“ und „Show“ liegt dabei jeweils bei ca. 30 Mio. Euro. Der Fernsehfilm kommt 2009 auf rund 14,2 Mio. Euro, was einer deutlichen Reduktion zu 2008 entspricht (-28,1%), und beträgt nun nur mehr rund die Hälfte der jeweiligen Budgets von Serien und Shows. Ebenfalls weniger Mittel gab es 2009 für „Dokumentation, Magazin, Sonstige“ mit rund 10,3 Mio. Euro (-16,4%).


VERWERTUNG
Kinostruktur. 257 der insgesamt 577 Kinosäle sind digitalisiert (97 davon für 3D- Vorführungen), damit sind knapp 45% auf die neue Technologie umgerüstet. Das ist im internationalen Vergleich ein hoher Standard.

Besucherzahlen. Mit mehr als 18 Mio. Kinobesuchen (Quelle: Rentrak) war 2009 nach zwei eher schwachen Jahren ein sehr erfolgreiches Kinojahr (+22%). Gegenüber 2008 ist auch eine Steigerung des Filmangebots um 15 Filme zu verzeichnen (2009: 339).

Verleih. Die sechs umsatzstärksten Verleihfirmen sind - bis auf die Constantin Film - Tochterfirmen großer US-amerikanischer Verleihe. Sie erzielen bei den Kinobesuchen zusammen einen Marktanteil von mehr als 80% und verliehen 139 der insgesamt 339 gezeigten Filme (41%).

Ö Filme im Kino. Österreichische Filme konnten 2009 bei den Besuchen einen beachtlichen Marktanteil von 7,7% erzielen, innerhalb des europäischen Films sogar einen Marktanteil von 33,5%. Die erfolgreichste österreichische Produktion 2009 war „Der Knochenmann“ (Rang 16 in den Top 50) mit 267.051 verkauften Tickets (insgesamt 279.143 Besuche), gefolgt von „Wüstenblume“ (Rang 28 in den Top 50) mit 178.686 Besuchen (insgesamt 187.266 Besuche) und „Hexe Lilli - Der Drache und das magische Buch“ (176.907). Besonders erfolgreich war der österreichische Film auch in der Auslandsverwertung, wo mit mehr als fünf Mio. Besuchen das Ergebnis des Jahres 2008 auf das Zweieinhalbfache gesteigert wurde.

Erstaufführungen. 2009 wurden insgesamt 296 Filme erstaufgeführt, davon 34 österreichische Filme (Quelle: Rentrak). 131 Filme stammten aus den USA, 49 aus Deutschland. Das Verhältnis zwischen österreichischen Spiel- und Dokumentarfilmen ist 2009 ausgeglichen.

DVD-Erlöse. Der Verkauf von DVDs kann für 2009 auf 160-180 Mio. Euro geschätzt werden. Damit erzielt die Sekundärverwertung auch in Österreich rund zwei Drittel der gesamten Verwertungserlöse. Die Erlöse aus dem DVD-Verleih betragen mehr als 50 Mio. Euro.

Österreichische Filme im ORF. Zehn geförderte Kinofilme konnten 2009 bei ihrer Ausstrahlung im ORF mehr als 100.000 ZuseherInnen erreichen, die erfolgreichsten waren die beiden Erstausstrahlungen „Falco – Verdammt wir leben noch!“ (463.000) und „La Bohème“ (253.000). Im Jahr 2009 wurden im ORF insgesamt 41 geförderte österreichische Kinofilme gezeigt. Die Ausstrahlung österreichischer Filme im Free TV ist insbesondere für den nationalen Markt und die dadurch erzeugte öffentliche Wahrnehmung von besonderer Bedeutung.


FILMPREISE
Als herausragender Erfolg für 2009 ist die „Goldene Palme“ für den Kinofilm „Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte“ von Regisseur Michael Haneke, Wega Film zu nennen. Österreich ist mit „Revanche“ von Götz Spielmann zum zweiten Mal in Folge für den „Auslands-Oscar“ nominiert worden. Die österreichischen Werbefilme erhalten in Cannes sechs „Lions.“


FÖRDERUNGEN UND FINANZIERUNGEN
Die Filmförderung des Bundes basiert auf drei Ebenen: Förderung des Kinofilms nach wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten durch das Österreichische Filminstitut und Förderung des Fernsehfilms durch den FERNSEHFONDS AUSTRIA; das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur fördert den künstlerischen - innovativen Film. Ergänzt wird die Filmförderung des Bundes durch eine Filmfinanzierung des Österreichischen Rundfunks auf der Grundlage des zwischen Filminstitut und ORF vereinbarten Film/Fernseh-Abkommens.

Filmförderung der Länder. In den meisten Bundesländern existieren Filmförderungen mit Schwerpunkt der Herstellungsförderung unter kulturellem Regionalbezug und wirtschaftlichen Regionaleffekten. Je nach Bundesland und Ausrichtung sind die Förderstellen eigenständige Einrichtungen, wie z.B. der Filmfonds Wien, und/oder den Kultur- bzw. Wirtschaftsabteilungen der Landesregierungen zugeordnet.

Auszahlungen. Die 18 Förderinstitutionen zahlten insgesamt 60,4 Mio. Euro aus, die größten Summen leisteten das Österreichische Filminstitut, der Filmfonds Wien, der FERNSEHFONDS AUSTRIA und der ORF mit dem Film/Fernseh-Abkommen. Die Auszahlungen des Bundes belaufen sich auf rund 38 Mio. Euro (inklusive des ORF mit dem Film/Fernseh-Abkommen). Die Auszahlungsbeträge der Länderförderstellen betragen 37,3% bzw. 22,5 Mio. Euro.


FILMFÖRDERUNG IN EUROPA
MEDIA Measures to Encourage the Development of the Audiovisual Industry
Die Förderschwerpunkte von MEDIA, dem Förderprogramm der EU zur Unterstützung der audiovisuellen Industrie in Europa liegen in den Bereichen Entwicklung, Training, Vertrieb, Promotion und Pilotprojekten. 2009 wurden aus dem MEDIA Programm in Österreich 1,9 Mio. Euro vergeben, zum größten Teil für die automatische Verleihförderung. Mit fast 1,1 Mio. Euro wurde zusätzlich der Vertrieb von zwei österreichischen Filmen in insgesamt 23 Ländern unterstützt.

EURIMAGES Europäischer Koproduktionsfonds
2009 betrug der österreichische Mitgliedsbeitrag für EURIMAGES 457.405 Euro, 2,16% der Beitragszahlungen aller 34 Mitgliedsländer. Vier Herstellungen mit österreichischer Beteiligung wurden Förderungen in Höhe von 682.595 Euro zugesagt, 80.350 Euro wurde für den Verleih österreichischer Filme vergeben. Erstmals wurde von österreichischen ProduzentInnen die Förderung der Digitalisierung in Anspruch genommen. Der EURIMAGES Beitrag beläuft sich auf 75.359 Euro.


DAS EUROPÄISCHE UMFELD
Die Anzahl der Kinobesuche in den 27 EU-Mitgliedstaaten erreichte mit 981 Mio. Besuchen ein Plus von 6% gegenüber 2008. Der europäische Film erzielte 2009 einen Marktanteil von 26,7%, den niedrigsten Besucheranteil seit 2005. Die europäische Kinolandschaft war mehr denn je von Blockbustern geprägt. So ist die Zahl der Filme mit über fünf Mio. Besuchen von 34 auf 42 angestiegen. An der Spitze der europäischen Charts stehen „Ice Age: Dawn of the Dinosaurs“ (in 3D) und der sechste Teil der Harry Potter Reihe „Harry Potter and the Half-Blood Prince“. Mit 1.168 Kinofilmen erreichte die Europäische Union erneut einen Zuwachs an Filmproduktionen (ein Plus von 28).