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Die Druckversion der Filmwirtschaftsberichte:
Filmwirtschaftsbericht

Filmpolitik ist ohne Information undenkbar.
Der Filmwirtschaftsbericht erfüllt alljährlich die Aufgabe, ausführliche wirtschaftliche Daten, die nicht nur für strategische filmpolitische Maßnahmen, sondern auch für unternehmerische Einzelentscheidungen relevant sind, zu liefern.

Jahr für Jahr werden Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität und auch der Nutzbarkeit gesetzt. Mit dieser Ausgabe stehen für eine umfassende Betrachtung der Filmwirtschaft als Gesamtheit die Daten der Statistik Austria zur Verfügung. Dadurch kann eine bisher nicht erreichbare Datentiefe erzielt werden. Noch genauere Betrachtungen werden möglich, wenn die Ergebnisse der Leistungs- und Strukturstatistik zur Verfügung stehen.

Trotz regelmäßiger Steigerung der Qualität des Berichts darf nicht übersehen werden, dass die Datenlage in Österreich in einzelnen Bereichen nach wie vor dürftig ist: So beruhen die Daten der Sekundärverwertung durch Bildträger (DVD und VHS) weitgehend auf Hochrechnungen und Schätzungen durch Ländervergleiche. Wie schon im Bericht für das Jahr 2007 wurden die Tabellenteile im schriftlichen Filmwirtschaftsbericht kürzer gehalten, um so einen klareren Blick auf zentrale Positionen und Trends zu ermöglichen.

FILMWIRTSCHAFT
Die Filmwirtschaft umfasst die Filmherstellung (in Form von Auftrags- und Eigenproduktion), das Kino, die Nachbearbeitung und sonstige Filmtechnik, Filmverleih und -vertrieb sowie die Videotheken. Durch die Zusammenarbeit mit der Statistik Austria können nun erstmals detaillierte Zahlen zu den Kennwerten der Filmwirtschaft vorgelegt werden. Die Filmwirtschaft erzielte im Jahr 2008 einen kumulierten Gesamtumsatz von 667,67 Mio. Euro. Von den Umsätzen entfallen rund 40% auf die Produktion von Kino und Fernsehfilmen und 20,1% auf Filmverleih und -vertrieb. Das Kino erreicht knapp 18% des gesamten Branchenumsatzes.
Der kumulierte Umsatz der Filmproduktion (Kino- und TV-Film, Werbe-, Wirtschafts- und Bildungsfilm) betrug 2008 insgesamt 351 Mio. Euro. Innerhalb der Filmproduktion beschäftigen 1.228 Unternehmen rund 3.000 Mitarbeiter. Insgesamt werden 6.127 Personen in der Filmwirtschaft beschäftigt.

In Österreich gibt es 114 TV-Veranstalter. Die Mehrzahl dieser Veranstalter (72) erzielt weniger als 55.000 Euro Werbeeinnahmen pro Jahr.

Das Vergabevolumen österreichischer TV-Veranstalter ist deutlich über 100 Mio. Euro. Das Vergabevolumen des ORF liegt 2008 mit 92 Mio. Euro knapp unter dem des Jahres 2007 (93 Mio. Euro). Die erstmals erhobenen Volumina des privaten TV-Veranstalters ATV zeigen mit 10 Mio. Euro die abnehmende Abhängigkeit vom ORF, auch wenn der ORF nach wie vor zentrale Bedeutung für die heimischen Produktionsunternehmen hat. Innerhalb der vom ORF beauftragten Unternehmen gingen rund 95% des Vergabevolumens an 34 Produzenten, 66 Firmen teilten sich 5% des Vergabevolumens.

Das ORF Vergabevolumen 2008 weist deutliche Schwerpunkte für „Serie“ und „Show“ (jeweils etwa 30 Mio. Euro) auf. Der „Film“ kommt 2008 auf rund 20 Mio. Euro, was einer deutlichen Steigerung gegenüber 2007 entspricht, aber dennoch nicht an die frühere Dominanz heranreicht. Ebenfalls mehr Mittel gab es 2008 für „Dokumentation, Magazin“ mit knapp 13 Mio. Euro.
Der ORF hat 2008 einschließlich der Projekte der Filmförderung 99,3 Mio Euro an österreichische Produzenten vergeben.

VERWERTUNG
Kinostruktur. 83 der insgesamt 577 Kinosäle sind digitalisiert (21 davon für 3D- Vorführungen), was einer Umrüstung auf die neue Technologie im Ausmaß von rund 14% entspricht. Das ist im internationalen Vergleich ein hoher Standard.

Besucherzahlen. Mit rund 14,8 Mio. Kinobesuchen (Quelle: Nielsen EDI) konnte nahezu das Ergebnis von 2007 gehalten werden (-0,4%). Erstmals seit fünf Jahren ist 2008 die Anzahl der im Kino gezeigten Filme (324) gegenüber dem Vorjahr gesunken (352).

Verleih. Die sechs umsatzstärksten Verleiher sind – bis auf die Constantin Film – Tochterfirmen großer US-amerikanischer Verleihe. Sie erzielen bei den Kinobesuchen gemeinsam einen Marktanteil von rund 80%.

Ö Filme im Kino. Österreich konnte mit 973.000 verkauften Tickets einen Marktanteil von 6,6 % erzielen, das entspricht mehr als einer Verdreifachung gegenüber 2007. Die erfolgreichste österreichische Produktion 2008 war „Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga“, nach der bekannten Fernsehserie, mit 205.457 verkauften Tickets (insgesamt 371.000 Besuche), gefolgt vom Dokumentarfilm „Let’s make MONEY“ mit rund 167.000 Besuchen.

Erstaufführungen. 2008 wurden insgesamt 268 Filme erstaufgeführt, davon 30 österreichische Filme. 121 Filme stammten aus den USA, 41 aus Deutschland. Erstmals seit vier Jahren war die Anzahl der gezeigten österreichischen Spielfilme (17) höher als jene der österreichischen Dokumentarfilme (13).

DVD-Erlöse. Die Vermietung von DVDs erreichte 2008 einen Umsatz von 52 Mio. Euro, der Verkauf kann auf 130-170 Mio. Euro geschätzt werden. Damit erzielt die Sekundarverwertung auch in Österreich rund 2/3 der gesamten Verwertungserlöse.

Österreichische Filme im ORF. Zehn geförderte Kinofilme konnten 2008 bei ihrer Ausstrahlung im ORF mehr als 100.000 Zuseher erreichen, einer davon verfehlte die 1-Million-Marke nur knapp. Im Jahr 2008 wurden im ORF insgesamt 32 geförderte österreichische Kinofilme gezeigt. Die Ausstrahlung österreichischer Filme im Free TV ist insbesondere für den nationalen Markt und die dadurch erzeugte öffentliche Wahrnehmung von besonderer Bedeutung.

FILMPREISE
Als herausragender Erfolg für 2008 ist der „Auslands-Oscar“ für den Film „Die Fälscher“ von Regisseur Stefan Ruzowitzky, Josef Aichholzer Film zu nennen.

FÖRDERUNGEN UND FINANZIERUNGEN
Die Filmförderung des Bundes basiert auf drei Ebenen: Förderung des Kinofilms nach wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten durch das Österreichische Filminstitut und Förderung des Fernsehfilms durch den FERNSEHFONDS AUSTRIA; das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur fördert den künstlerischen - innovativen Film. Ergänzt wird die Filmförderung des Bundes durch eine Filmfinanzierung des Österreichischen Rundfunks auf der Grundlage des zwischen Filminstitut und ORF vereinbarten Film/Fernseh-Abkommens.

Regionale Filmförderungen. In den meisten Bundesländern existieren Filmförderungen mit dem Schwerpunkt der Herstellungsförderung mit kulturellem Regionalbezug und wirtschaftlichen Regionaleffekten. Je nach Bundesland und Ausrichtung sind die Förderstellen eigenständige Einrichtungen, wie z.B. der Filmfonds Wien, und/oder den Kulturabteilungen der Landesregierungen zugeordnet. Schwerpunkt des Filmwirtschaftberichts sind jene Einrichtungen, die Film nach wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten fördern.

Förderungen und Finanzierungen gesamt. 2008 standen den neun Förderstellen, die Film unter kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten fördern, 41,4 Mio. Euro zu Verfügung, 2007 waren es rund 39 Mio. Euro. Die Steigerung von 5,5% ist vor allem auf die Anhebung des Bundesbeitrags an das Filminstitut zurückzuführen. Unverändert blieben die Mittel vom Filmfonds Wien (8 Mio. Euro), des FERNSEHFONDS AUSTRIA (7,5 Mio. Euro) und die Abkommensmittel des ORF (5,96 Mio. Euro).

Zusagen. In Summe erhielt die österreichische Filmwirtschaft 2008 Zusagen in der Höhe von 42,4 Mio. Euro, wovon mehr als vier Fünftel (82%; 54% Kinofilme, 27% Fernsehfilme) auf die Herstellung entfiel. Erstmalige Förderzusagen erhielten 2008 106 Filme, davon 33 Kinofilme, 66 Fernsehfilme. Mit 5% der Zusagen sind die finanziellen Aufwendungen der Förderinstitutionen für die Verwertung der Filme nach wie vor gering.

Auszahlungen. 2008 wurden tatsächlich 42,1 Mio. Euro ausbezahlt. Wie auch bei den Zusagen leisten die größten Summen das Österreichische Filminstitut, der Filmfonds Wien, das Film/Fernseh-Abkommen und der FERNSEHFONDS AUSTRIA.

Filmförderung gesamt. Unter Einbeziehung der Filmförderung nach künstlerischen Aspekten standen 2008 rund 57 Mio. Euro für die Förderung des Films und seiner Institutionen zur Verfügung.

FILMFÖRDERUNG IN EUROPA
MEDIA Measures to Encourage the Development of the Audiovisual Industry
Die Förderschwerpunkte von MEDIA, dem Förderprogramm der EU zur Unterstützung der audiovisuellen Industrie in Europa liegen in den Bereichen Entwicklung, Promotion, Vertrieb und Fortbildung.
2008 wurden aus dem MEDIA Programm in Österreich 2,2 Mio. Euro vergeben, vorwiegend für die automatische Verleihförderung. Mit 832.000 Euro wurde zusätzlich der Vertrieb von vier österreichischen Filmen in insgesamt 16 Ländern unterstützt.

EURIMAGES Europäischer Koproduktionsfonds 2008 betrug der österreichische Mitgliedsbeitrag für Eurimages 453.478 Euro, 2,23% der Beitragszahlungen aller Mitgliedsländer.
Sieben Herstellungen mit österreichischer Beteiligung wurden Förderungen in Höhe von 566.093 Euro zugesagt, 32.900 Euro wurde für den Verleih österreichischer Filme bzw. an österreichische Verleihe vergeben.

DAS EUROPÄISCHE UMFELD
Die Anzahl der Kinobesuche in den 27 EU-Mitgliedstaaten stieg 2008 nach dem Rückgang im Vorjahr 2008 um 0,5% auf 924 Millionen. Der Europäische Film erreichte 2008 einen Marktanteil von 28,4% und ist damit nahezu unverändert. An der Spitze der europäischen Charts stehen „Mamma Mia!“ (das ABBA-Musical) und „Quantum of Solace“ (22. James Bond).
Mit 1.145 Kinofilmen (einschließlich Dokumentarfilme) erreichte die Europäische Union eine neue Rekordmarke an Filmproduktionen im Jahr 2008.


Für Ihre Unterstützung bedanken wir uns bei den MitarbeiterInnen der folgenden Institutionen:
ATV
Austrian Film Commission
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Cine Tirol
CINESTYRIA, Filmcommission and Fonds
CINESTYRIA Filmkunst
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
Fachverband der Film- und Musikindustrie
Fachverband der Film- und Musikindustrie, Abteilung Werbefilm
Fachverband der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter
FERNSEHFONDS AUSTRIA
Filmfonds Wien
Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7), Film, Kino, Neue Medien
Land Burgenland, Abt. 7 - Kultur, Wissenschaft und Archiv
Land Kärnten, Abteilung 5 - Kultur
Land Niederösterreich, Abteilung Kultur und Wissenschaft
Land Oberösterreich, Abteilung Wirtschaft
Land Oberösterreich, Institut für Kunst und Volkskultur
Land Salzburg, Abteilung - Kultur
Land Salzburg, Abteilung 15 - Wirtschaft, Tourismus und Energie
Land Tirol, Abteilung - Kultur
Land Vorarlberg, Förderbereich „Film“
Nielsen EDI
Österreichischer Rundfunk (ORF)
Österreichisches Filmservice
Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH
Statistik Austria