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Kinofilme, Martin Schweighofer, Austrian Film Commission
"Manche behaupten, Festivals agieren realitätsfern, weil sie den Vorlieben von Kritikern und anderen abgehobenen Geschmacksmissionaren verpflichtet seien. Das ist natürlich Unsinn. Denn Festivals sind Teil eines Marktes, von dem sie beeinflusst werden und den sie auch nachdrücklich beeinflussen. Festivals sind nicht Selbstzweck sondern ein unverzichtbares Mittel zum Zweck.
Festivals sind die effizienteste Form, einen Film auf dem (Welt)Markt zu positionieren. An der Korrelation zwischen der Präsentation im Rahmen eines großen Festivals (dem Sprungbrett) und dem Markt kann, wie die Erfahrung zeigt, kein Zweifel bestehen. Filme, die einen internationalen Verleiher finden, tun dies zum überwiegenden Teil durch eine und dank einer vorangehenden Festivalkarriere.
Und Preise erhöhen diese Marktwirksamkeit noch zusätzlich.
Österreichische Filme haben wie in den vergangenen Jahren auch heuer von diese Umstand zahlreich profitiert. Das ist einerseits erfreulich und andererseits eine Herausforderung für die Zukunft, das Niveau zu halten und die Aufmerksamkeit weiter zu steigern."

Fernsehfilme, Heinrich Mis, Fernsehfilmchef des ORF
„Was zeichnet den österreichischen Fernsehfilm aus? Wofür gibt und gab es Preise, Pokale und Auszeichnungen? Zentrales Kriterium ist: „Unterhaltung mit Haltung“, die Beachtung ethischer Positionen in einer zeitgemäßen Weiterführung öffentlich-rechtlicher Grundhaltung.
Im Krimigenre sind Gewalt und Verbrechen Resultat einer gesellschaftlichen oder individuellen Fehlhaltung und nicht Gegenstand optischer oder formaler Verherrlichung. Im Drama, im Fernsehfilm und in der Komödie sind Zivilcourage und gute haraktereigenschaften von Protagonisten und Protagonistinnen positiv konnotiert. Erzählerische, dramaturgische und filmische Qualitätskriterien stehen über modischer, kurzlebiger und reißerischer Erzähl- und Darstellungsweise. Abkupfern von meist amerikanischen Vorbildern unter Vernachlässigung von Zusammenhängen mit realen und kulturellen Gegebenheiten in Europa ist im deutschen Sprachraum zunehmend aufzufinden. Wir geben dieser Versuchung nicht nach. Wir knüpfen im positiven Sinne an filmerzählerischen Traditionen an und suchen eine zeitgemäße Umsetzung, unter Heranziehung österreichischer Autoren, Regisseure und Darsteller. Formatklau, aber auch Formatkauf ist nicht unsere Politik. Das hat auch mit Selbstbewusstsein zu tun, und mit der Beobachtung, dass die Übertragung von Formaten gerade im fiktionalen Bereich nicht ausreichend den Zuspruch des Publikums findet, sondern als künstlich und aufgesetzt empfunden wird. Der Lohn für unser Bemühen um eine authentische österreichische Fernseh-Erzählspache sind der Zuspruch des Publikums, aber auch Preise und Auszeichnungen. Mit Publikum und Preisen werden wir verwöhnt. Das bestätigt unser Streben nach „Unterhaltung mit Haltung“, ist Ansporn auf der Suche nach Qualität in Inhalt und Form.“

Werbefilme, Dieter Klein, PPM Filmproduktion
„Werbefilme aus Österreich schneiden bei internationalen Awards zunehmend besser ab. Trotzdem fehlt der letzte große Erfolg wie im Spielfilmbereich. In der Königsklasse der Werbefilme – den Cannes Lion – ist es bislang erst zwei Produktionen gelungen, einen Bronze Löwen zu gewinnen. Es gibt im Bereich der Webung eine Vielzahl an international vergebenen Preisen. Eine Reihe davon konnten österreichische Produzenten bereits gewinnen, allerdings nur vereinzelt und mit keiner Regelmäßigkeit.
Qualitätsbewusstsein, Mut, finanzielle Mittel sind maßgebliche Faktoren, die dafür verantwortlich sind, dass heimische Werbefilme nicht immer im internationalen Wettbewerb vertreten sind. Dennoch und gerade deswegen ist den Gewinnern der Awards und Anerkennungen des Jahres 2007 viel Respekt für ihren Anstrengungen um Qualität zu zollen. Allerdings bedeuten diese Preise eine brotlose Anerkennung, denn weder Werbeagenturen noch andere Auftraggeber werden deshalb einer Produktionsfirma einen Auftrag mehr geben oder auch für Produktionen mehr Geld zur Verfügung stellen.
Zur Situation in Österreich: Nach langem Ringen ist es gelungen, dass im Rahmen der Staatspreisverleihung eine eigene Kategorie für den Werbefilm eingerichtet wurde. Ab dem Jahr 2008 wird auch der beste Werbefilm gekürt. Auch hier liegt ein großer Anteil des Erfolges bei den Produktionsfirmen, auch wenn das die Auftraggeber anders sehen. Von den errungenen Preisen ausgehend ist es sicherlich gelungen, große Erfolge zu feiern – auch wenn sie im Glanzlicht der heimischen Agenturszene untergehen.“

Wirtschaftsfilme, Alexander Kammel, Österreichisches Filmservice
„Höhepunkt der des Jahres 2007 war die Verleihung des Staatspreises. Eine prominente Jury aus Wirtschaft und Filmindustrie wählte „Dazzling Daydream“ von ffp zum Sieger. Die Nominierungen erfolgten sehr ausgewogen aus den Sparten Tourismus, Produktfilm, Kultur, Bildung. Die Richtigkeit der Wahl zeigt sich daran, dass "Dazzling Daydream" weltweit eine Reihe von goldenen Awards gewann.
Das Filmforum in Linz – ein neues Festival mit einem stärkeren Approach von Seiten der Filmschaffenden war sehr erfolgreich und unterstrich, dass der Standort Linz neben Wien der wichtigste Standort in Österreich ist.
Positiv zu vermerken ist, dass österreichische Produzenten international sehr aktiv sind, was die Einreichungen bei Festivals betrifft. Leider wird der Weiterbildungsfaktor, den Wirtschaftsfilmfestivals besitzen, von Produzenten und Filmschaffenden zu wenig wahrgenommen.“