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Die Druckversion der Filmwirtschaftsberichte:
Filmwirtschaftsbericht

Filmpolitik braucht Information! Der Filmwirtschaftsbericht liefert seit 2004 ausführliche wirtschaftliche Daten, die nicht nur für strategische filmpolitische Maßnahmen, sondern auch für unternehmerische Einzelentscheidungen relevant sind.

Trotz regelmäßiger Steigerung der Qualität des Berichts darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Datenlage in Österreich in vielen Bereichen nach wie vor dürftig ist: So werden etwa keine Strukturdaten zu den Besuchen erhoben und im Bereich der Sekundärverwertung durch Bildträger (DVD; VHS) beruhen die Daten weitestgehend auf Hochrechnungen und Schätzungen.

FILMWIRTSCHAFT
Die Kernbereiche der Filmwirtschaft umfassen die Filmproduktion (in Form von Auftrags- und Eigenproduktion), den Filmverleih und die Filmvorführung (Kino). Im Bericht liegt der Schwerpunkt auf der Filmproduktion.

Jahresproduktionswert gesunken. Der Jahresproduktionswert der Filmproduktion hat im Jahr 2007 deutlich abgenommen und liegt bei rund 135 Mio. Euro. Damit bewegt er sich nicht nur unter dem Niveau von 2006 (149 Mio. Euro), sondern auch deutlich unter dem Wert des Jahres 2004 (145 Mio. Euro).

ORF-Vergabevolumen gestiegen. Der ORF hat 2007 Auftragsproduktionen und Koproduktionen mit inländischen Produktionsfirmen im Ausmaß von 93 Mio. Euro vereinbart. Damit liegt das Vergabevolumen über dem des Jahres 2006 (87 Mio. Euro). Rund 95% des Vergabevolumens gingen an 31 Produzenten, 67 Firmen teilten sich 5% des Vergabevolumens. ORF-Mittel fließen über das Film/Fernseh-Abkommen auch in die Finanzierung von Kinofilmen.

Das Vergabevolumen 2007 weist deutliche Veränderungen in der Verteilung auf die einzelnen Sparten aus. Der Schwerpunkt hat sich deutlich auf die Sparte „Serie“ verlagert, gefolgt von „Show“. Eindeutige „Verlierer“ sind „Film“ mit 42,1% und „Dokumentation, Magazin“ mit 6,6% Einbußen gegenüber 2006. Einschließlich der Filmfinanzierung des ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens (Kinofilme) vergab der ORF 2007 Mittel in Höhe von 99,9 Mio. Euro und die Zahl der Produzenten erhöhte sich von 98 – um 15 Kinofilmproduzenten - auf 113.

Rückgang der Beschäftigten und der Filmherstellungsunternehmen. Die Anzahl der Filmherstellungsunternehmen belief sich Ende 2007 auf 2.026, damit hat sich die Anzahl der Firmen seit 1994 (Liberalisierung der Gewerbeordnung) bis Ende 2007 mehr als verdreifacht (1994: 618), gegenüber dem Vorjahr jedoch verringert (2006: 2.400). Im Berichtsjahr beschäftigte die gesamte Filmwirtschaft 3.800 unselbstständig Erwerbstätige, im Jahr 2006 waren es 4.300. Auf die Filmproduktion entfallen davon rund 1.900 (2006: 2.300).

32 österreichische Erstaufführungen. Im Jahr 2007 gelangten 32 österreichische Filme (nationale Filme, majoritäre und diesen rechtlich gleichgestellte minoritäre Koproduktionen) als Erstaufführungen in die heimischen Kinos. Bereits das dritte Jahr in Folge ist die Anzahl der gezeigten Dokumentarfilme höher als jene der Spielfilme, 2007 hat sich dieser Trend noch verstärkt: 62,5 % aller Erstaufführungen sind Dokumentarfilme.

Österreichische Filme versus Koproduktionen. Acht der 12 erstaufgeführten Kinospielfilme sind Koproduktionen. Bei lediglich zwei dieser Koproduktionen sind österreichische Produzenten federführend tätig, das heißt, dass diese beiden Filme mit einem mehrheitlich österreichischen finanziellen und künstlerischen Produktionsanteil hergestellt wurden. Von den 20 Dokumentarfilmen entstanden 15 als rein nationale Produktionen, Dokumentarfilme sind weit weniger kapitalintensiv.

Wie wenige Produktionsfirmen auf einem kleinen Markt wie Österreich, der außer der Förderung keine filmwirtschaftsfördernden Strukturen aufweist, kontinuierlich im Bereich des Kinofilms arbeiten können, zeigt sich auch an der Anzahl der Unternehmen, die im Jahr 2007 zumindest einen Film in die Kinos brachten. 18 Produktionsfirmen brachten einen Film neu in die Kinos. Sechs Firmen brachten zwei oder auch drei Filme in die Kinos – das entspricht dem Wert des Vorjahres.

VERWERTUNG
Die Verwertung von Kinofilmen erfolgt in mehreren Schritten: Dem Kinoeinsatz folgt der Verkauf bzw. die Vermietung als Bildträger (DVD, Video), danach die Verwertung über Pay-Per-View, Pay-TV und letztlich Free TV. Um den tatsächlichen wirtschaftlichen Erfolg beurteilen zu können, sind daher die nationalen und internationalen Erlöse aus sämtlichen Verwertungsstufen zu summieren. Da aber für das Addieren der Beträge aus den einzelnen Verwertungsstufen wesentliche Daten fehlen, ist eine Gesamtbetrachtung der Situation nach wie vor leider nicht möglich.

Besucherzahlen. Mit knapp 15 Mio. Besuchen (Quelle: Nielsen EDI) kam es 2007 erneut zu einem "Einbruch" an den Kinokassen. Das Minus beträgt 11% gegenüber 2006 (16,7 Mio. Besuche). Die Anzahl der gezeigten Filme hat jedoch ein neues Niveau (352 gegenüber 334 im Jahr 2006) erreicht. Das entspricht der Programmierung von fast einem Kinofilm pro Tag im Jahr.

Erstaufführungen. Insgesamt wurden 302 Filme erstaufgeführt, davon 32 österreichische Filme, 134 Filme stammten aus den USA, 53 aus Deutschland. Aufgrund der Dominanz des US-amerikanischen Films durch die Filmanzahl und Themenvorgaben bleibt für den europäischen und damit auch österreichischen Kinofilm ein sehr beschränkter heimischer Markt.

Verleih. Die sechs umsatzstärksten Verleiher sind – bis auf die Constantin Film – Tochterfirmen großer US-amerikanischer Verleihe. Sie erzielen bei den Kinobesuchen gemeinsam einen Marktanteil von rund 78%. Auf österreichische Verleihe entfällt dementsprechend das restliche Viertel des Marktanteils.

Österreichische Filme im Kino. Österreich nimmt mit 1,9% Marktanteil (das entspricht 296.000 Besuchen) für nationale Produktionen im europäischen Vergleich eine der hinteren Positionen ein. Allerdings sollten die Erfolgsaussichten der österreichischen Filme im Kontext der Besucherakzeptanz europäischer Filme neu bewertet werden. Obwohl die Hälfte aller gezeigten Filme europäischen Ursprungs waren, erreichten sie nur einen Besucheranteil von 21%. In diesem europäischen Sample erreichen die österreichischen Filme einen 9%igen Besucheranteil.

DVD-Erlöse. Für Österreich liegen keine verlässlichen Zahlen über die Umsätze aus Vermietung und Verkauf von DVD vor. Die Bedeutung der DVD bei der Verwertung von Filmen hat jedoch deutlich zugenommen. In Ländern, in denen sowohl Kino- als auch DVD-Umsätze erfasst werden, beträgt das Verhältnis 7:3 zugunsten der DVD. Gemäß einer Erhebung kann aber von einem Umsatz in Österreich von 150 Mio. Euro für Vermietung und Verkauf von DVD/Video ausgegangen werden. Herausragend ist der Erfolg der DVD-Edition „Der Österreichische Film - Edition Der Standard“. Von der ersten und zweiten Staffel konnten bis dato über 500.000 Exemplare verkauft werden, d.h. mit 0,1% des gesamten DVD-Angebots in Österreich konnte ein Marktanteil von 6% erreicht werden. Der Erfolg dieser Edition zeigt das enorme Potenzial des österreichischen Films auf dieser Verwertungsebene.

Österreichische Filme im ORF. Elf geförderte Kinofilme konnten 2007 bei ihrer Ausstrahlung im ORF mehr als 100.000 Zuseher erreichen, einer davon überschritt die 700.000er Marke. Im Jahr 2007 wurden im ORF insgesamt 39 geförderte österreichische Kinofilme gezeigt. Die Ausstrahlung österreichischer Filme im Free TV ist insbesondere für den nationalen Markt und die dadurch erzeugte öffentliche Wahrnehmung von besonderer Bedeutung.

FILMPREISE
Österreichische Kinofilme wurden in den vergangenen Jahren in ständig steigender Zahl zu internationalen Filmfestivals eingeladen. Als herausragende Festivalerfolge sind 2007 die Wettbewerbsteilnahmen von "Die Fälscher" um den "Goldenen Bären" in Berlin und von "Import Export" um die Goldene Palme in Cannes zu nennen.

FÖRDERUNGEN UND FINANZIERUNGEN
In den meisten Ländern Europas wird die Förderung des nationalen Films als staatliche Aufgabe angesehen, die neben der Produktion eines Films auch die Entwicklung und Verwertung miteinbezieht.

Der Kinofilm ist in Österreich – nicht anders als in anderen europäischen Ländern - ohne Förderung nicht lebensfähig. Das zeigt sich ganz klar an der Finanzierungsstruktur: Im Schnitt stammen zwei Drittel der Budgets aller eigenproduzierten Filme aus öffentlichen Mitteln.

Filmförderung des Bundes basiert auf drei Ebenen: Förderung des Kinofilms nach wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten durch das Österreichische Filminstitut und Förderung des Fernsehfilms durch den FERNSEHFONDS AUSTRIA; das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur fördert den künstlerischen Films, wobei wirtschaftliche Rentabilität außer Betracht bleibt.

ORF Film/Fernseh-Abkommen. Ergänzt wird die Filmförderung des Bundes durch eine Filmfinanzierung des Österreichischen Rundfunks auf der Grundlage des zwischen Filminstitut und ORF vereinbarten Film/Fernseh-Abkommens. Die Abkommensmittel des ORF betrugen 2007, so wie in den Vorjahren, 5,96 Mio. Euro, das entspricht 1,6% der Programmkosten des Fernsehens (378,6 Mio. Euro). Darüber hinaus trug der ORF mit einem Betrag von insgesamt 293.200 Euro zur Promotion des österreichischen Kinofilms bei (darin enthalten sind die Jahresförderung für Austrian Film Commission, die Durchführung von Kinopremieren und Einsätze von Trailern im österreichischen Fernsehen).

Regionale Filmförderungen. In den meisten Bundesländern existieren Filmförderungen mit dem Schwerpunkt der Herstellungsförderung mit kulturellem Regionalbezug und wirtschaftlichen Regionaleffekten. Je nach Bundesland und Ausrichtung sind die Förderstellen eigenständige Einrichtungen, wie zB. der Filmfonds Wien, und /oder den Kulturabteilungen der Landesregierungen zugeordnet.

Schwerpunkt des Filmwirtschaftberichts sind jene Einrichtungen, die Film nach wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten fördern.

Förderungen und Finanzierungen gesamt. 2007 standen den neun Förderstellen, die Film unter kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten fördern, knapp. 40 Mio. Euro zu Verfügung. Die Steigerung (2006 waren es 37,6 Mio. Euro) ist vor allem auf die Anhebung des Bundesbeitrags an das Filminstitut zurückzuführen. Unverändert blieben die Mittel von Filmfonds Wien (8 Mio. Euro) und des FERNSEHFONDS AUSTRIA (7,5 Mio. Euro).

Diese Beträge decken sich nicht mit den Zusagevolumen und den tatsächlich ausgezahlten Beträgen, da Berichtsjahr und Dauer einer Produktion nur sehr selten zusammenfallen.

Zusagen. In Summe erhielt die österreichische Filmwirtschaft 2007 Zusagen in der Höhe von 38,6 Mio. Euro, wovon mit rd. 86% der Löwenanteil auf die Herstellung entfiel. Erstmalige Förderzusagen erhielten 2007 145 Filme, davon 40 Kinofilme, 59 Fernsehfilme und 42 sonstige Filme (vorwiegend mit weniger als 60 Minuten Spieldauer). Die starke Zunahme an geförderten Projekten ist besonders auf die Verdoppelung der Zusagen bei "sonstigen Filmen" (im Wesentlichen Kurzfilme) zurückzuführen (42 gegenüber 20 im Jahr 2006). Mit knapp 5% der Zusagen sind die finanziellen Aufwendungen der Förderinstitutionen an der Verwertung der Filme gering.

Auszahlungen. Tatsächlich ausbezahlt wurden 2007 35 Mio. Euro. Wie auch bei den Zusagen entfallen die größten Summen auf das Österreichische Filminstitut, den FERNSEHFONDS AUSTRIA und den Filmfonds Wien. Gegenüber dem Jahr 2006 bedeutet das einen Anstieg um knapp 1,5 Mio. Euro. Für die Herstellung der Filme wurden insgesamt 29,3 Mio. Euro ausbezahlt, davon gingen 9,15 Mio. Euro an Fernsehproduktionen, mehr als das Doppelte, 19,5 Mio. Euro, an Kinofilme.

Filmförderung gesamt in Österreich. Unter Einbeziehung der Filmförderung nach künstlerischen Aspekten standen 2007 insgesamt 52 Mio. Euro für die Förderung des Films und seiner Institutionen zur Verfügung.

FILMFÖRDERUNG IN EUROPA
MEDIA. MEDIA 2007 löste das Programm MEDIA PLUS ab. Die Förderschwerpunkte von MEDIA (Measures to Encourage the Development of the Audiovisual Industry) liegen weiterhin in den Bereichen Entwicklung, Promotion, Vertrieb und Fortbildung. 2007 wurden aus dem MEDIA Programm in Österreich 2,4 Mio. Euro ausgeschüttet, vorwiegend für Verleihförderung. Mit 710.000 Euro wurde zusätzlich der Vertrieb österreichischer Filme im Ausland unterstützt.

EURIMAGES. 2007 betrugen die Mittel des beim Europarat angesiedelten Europäischen Koproduktionsfonds 23 Mio. Euro. Der österreichische Mitgliedsbeitrag belief sich auf 452.000 Euro und stellt damit 2,2% der Beitragszahlungen aller Länder dar. Projekten mit österreichischer Beteiligung wurden 2007 Förderungen in Höhe von 758.075 Euro zugesagt. Damit erreichte Österreich nach 2006 das zweitbeste Ergebnis seit seinem Beitritt zu EURIMAGES im Jahr 1991.

DAS EUROPÄISCHE UMFELD
Die Anzahl der Kinobesuche in den 27 EU-Mitgliedstaaten ging 2007 um 1,3% auf 919 Mio. zurück. Der Europäische Film erreichte 2007 einen Marktanteil von 28,8%, ein leichter Anstieg gegenüber dem guten Ergebnis von 2006. Im Jahr 2007 wurden in der EU 921 Filme produziert, das sind zehn mehr als im Vorjahr.

Für Ihre Unterstützung bedanken wir uns bei den MitarbeiterInnen der folgenden Institutionen:
Austrian Film Commission
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Cine Tirol
CINESTYRIA, Filmcommission and Fonds
CINESTYRIA Filmkunst
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
Fachverband der Film- und Musikindustrie
Fachverband der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter
FERNSEHFONDS AUSTRIA
Filmfonds Wien
Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7), Film, Kino, Neue Medien
Land Burgenland, Abt. 7 – Kultur, Wissenschaft und Archiv
Land Kärnten, Kulturabteilung
Land Niederösterreich
Land Oberösterreich
Land Oberösterreich, Institut für Kunst und Volkskultur
Land Salzburg
Land Salzburg, Kulturabteilung
Land Tirol, Kulturabteilung
Land Vorarlberg, Förderbereich „Film“
Nielsen EDI
Österreichischer Rundfunk (ORF)
Österreichisches Filmservice
PPM Film
Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH
Statistik Austria