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Die Druckversion der Filmwirtschaftsberichte:
Filmwirtschaftsbericht

Es war eine langjährige Forderung der Branche, in einem jährlichen Bericht die Situation der heimischen Filmwirtschaft zu erfassen. Nicht nur, um möglichst objektiv die Datenlage zu erheben und damit das österreichische Filmschaffen in einen innerösterreichischen und einen europäischen Kontext zu setzen, sondern auch, um der Politik zu ermöglichen, Handlungsbedarf zu erkennen und nötige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Eine fundierte Grundlage dafür legt das Österreichische Filminstitut mit dem nunmehr dritten Filmwirtschaftsbericht vor. Die daraus ablesbaren, teils signifikanten Entwicklungen lassen deutliche Reaktionen der zuständigen Politiker, der Medien und der Branche selbst erwarten.

Gegenüber 2005 ist eine weitere Qualitätssteigerung der Daten gelungen. Die Kooperation mit Nielsen EDI ermöglicht europäischen Standards entsprechende Messungen im Kinosegment und damit einen umfassenden internationalen Vergleich. Kein Zahlenmaterial ist weiterhin für die Verwertungsebene „Bildträger“ (DVD, VHS) verfügbar. Eine vom Filminstitut beauftragte Studie brachte aber entscheidende Fortschritte: Erstmals lässt sich der Gesamtumsatz von DVDs und VHS aber auch das Nutzungsverhalten der Konsumenten erfassen. Positiv wird sich auch die verstärkte Kooperation mit der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle (OBS) auswirken, die eine neue Qualität des Vergleichs mit anderen europäischen Filmwirtschaften ermöglichen wird.

FILMWIRTSCHAFT
Die Filmwirtschaft beschäftigt sich mit der Herstellung, Vervielfältigung und der Verbreitung von Filmen. Die Kernbereiche dabei sind die Produktion (in Form von Auftrags- und Eigenproduktion), der Verleih und die Vorführung (Kino). Um den europäischen Üblichkeiten besser zu entsprechen und international vergleichbar zu sein, wurde die Filmproduktion auf Kino-, Fernseh-, Werbe- und Wirtschaftsfilme reduziert. Der Jahresproduktionswert 2006 dieser Bereiche liegt entsprechend den Angaben des Fachverbands der Audiovisions- und Filmindustrie bei 148,5 Mio. Euro (2005: 165,5 Mio. Euro), und damit knapp über dem Niveau von 2004 (145 Mio. Euro). Der Anteil des eigenproduzierten Films (=Kinofilm) beträgt 15,6%. Das bedeutet, dass mit 84,4% der überwiegende Anteil am Produktionswert der Filmwirtschaft auf Auftragsproduktionen entfällt. Die Fernsehveranstalter als Auftraggeber, vor allem der ORF, spielen somit für die Filmproduktion nach wie vor die zentrale Rolle. Seit 1994 hat sich durch die Liberalisierung der Gewerbeordnung die Anzahl der Filmherstellungsunternehmen - von 618 auf rund 2.400 Ende 2006 (2005: 2.824) nahezu vervierfacht. Eine überwältigende Mehrheit (bis zu 90%) aller Unternehmen der Filmwirtschaft sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU).

Die gesamte Filmwirtschaft beschäftigte im Berichtsjahr 2006 4.300 unselbstständig Erwerbstätige. Auf die Produktion alleine entfallen davon rund 2.300 (2005: 2.500). Nicht berücksichtigt sind dabei alle atypischen – für den Film aber symptomatischen - Beschäftigungsverhältnisse und die Subaufträge, die von EPUs erbracht werden.

33 Erstaufführungen. Im Jahr 2006 gelangten 33 österreichische Filme (nationale Filme und diesen gleichgestellte Koproduktionen) als Erstaufführungen (2005 waren es 30 Filme) in die Kinos (inkl. Fernseh- und Kleinstproduktionen). Ebenso wie 2005 waren es wieder weniger Spiel- als Dokumentarfilme. Je die Hälfte der 16 Spielfilme wurden als rein österreichische Produktionen und als majoritäre Koproduktionen realisiert. Von den 17 Dokumentarfilmen entstanden 13 als rein nationale Produktionen. 19 Produktionsfirmen brachten im Jahr 2006 einen Film neu in die Kinos, sechs Firmen jedoch zwei bis drei Filme. Dass der Kinofilm in Österreich – nicht anders als in anderen europäischen Ländern - ohne Förderung nicht lebensfähig
ist, zeigt sich schließlich an der Finanzierungsstruktur: Im Schnitt stammen zwei Drittel der Budgets aller eigenproduzierten Filme aus öffentlichen Mitteln.

ORF-Vergabevolumen. Der ORF vereinbarte 2006 Auftragsproduktionen mit inländischen Produktionsfirmen im Ausmaß von 87 Mio. Euro. Damit liegt das Vergabevolumen 2006 knapp über dem Wert von 2005. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt eine nahezu unveränderte Tendenz, wesentliche Anteile des Vergabevolumens, das sind insbesondere Serien, an wenige, in der Serienproduktion erfahrene Filmhersteller zu vergeben – 80% des Vergabevolumens an 14 Firmen.
Die Ausweitung der beauftragten Unternehmen von 84 (2005) auf 95 (2006) hatte gegenüber 2000 eine Verdreifachung der Kleinaufträge zur Folge. Mit 95% des Vergabevolumens wurden 32 Filmproduktionsunternehmen beauftragt, 63 Filmhersteller teilten sich die restlichen 5%.

VERWERTUNG
Die Verwertung von geförderten Kinofilmen erfolgt über einen Zeitraum von zwei Jahren in Schritten (Kinoschutzfrist): Sechs Monate nach Kinostart erfolgt der Verkauf bzw. die Vermietung als Bildträger (DVD, Video), nach weiteren sechs Monaten die Verwertung über Pay-Per-View, Pay-TV und letztlich 24 Monate nach Erstaufführung Free TV. Um den tatsächlichen wirtschaftlichen Erfolg beurteilen zu können, sind daher die nationalen und internationalen Erlöse aus sämtlichen Verwertungsstufen zu summieren.

Sekundärverwertung. Weltweit hat seit rund zehn Jahren die so genannte „Sekundärverwertung“, die Erzielung von Einnahmen nach der Verwertung im Kino deutlich überholt. Grundsätzlich werden also im Bereich der Fernsehausstrahlung und der Verwertung von DVD bzw. Videokassette (Verkauf oder Vermietung) deutlich höhere Umsätze als im Kino erzielt, Tendenz steigend.

Besucherzahlen. Mit insgesamt 16,7 Mio. Besuchen (laut Nielsen EDI) konnten die massiven Rückgänge des Jahres 2005 überwunden werden, auch wenn die Erfolgszahlen von 2004 nicht erreicht wurden. Die Steigerung für das Berichtsjahr 2006 beträgt 11%. Das Filmangebot von 334 Filmen (296 Filme wurden erstaufgeführt) entsprach exakt dem Angebot von 2005, 147 stammten aus den USA und erreichten mit 12,56 Mio. Besuchen einen Besucheranteil von 77%.

Verleih. Diese Dominanzstellung fällt im Verleih noch deutlicher aus: Die sechs größten Verleiher sind – bis auf Constantin – im Besitz von US-Majors. Sie erzielen bei den Kinobesuchen gemeinsam einen Marktanteil von rund 75%. Österreichische Verleihe halten insgesamt einen Marktanteil von 25%.

Ö Filme im Kino. Österreich nimmt mit 2,61% Marktanteil (das sind 451.247 Besuche) für nationale Produktionen erneut eine der hinteren Positionen im europäischen Vergleich ein. Allerdings sollten die Erfolgsaussichten der österreichischen Filme im Kontext der Besucherakzeptanz europäischer Filme neu bewertet werden. Die Hälfte aller gestarteten Filme waren europäischen Ursprungs, erreichten in den heimischen Kinos aber nur einen Besucheranteil von 23,15%. In der internationalen Auswertung waren vor allem „Caché“ (Michael Haneke, Wega Film) und „We Feed the World“ (Erwin Wagenhofer, Allegro Film) erfolgreich.

DVD-Erlöse. Für Österreich liegen keine verlässlichen Zahlen über die Umsätze aus Vermietung und Verkauf von DVD und dem kleinen Segment der VHS vor. Anhand von Schätzungen (ein Zehntel der deutschen Zahlen) kann aber von einem Umsatz von 170 Mio. Euro für Vermietung und Verkauf von DVD/Video ausgegangen werden. Der überwiegende Anteil von etwa 80% entfällt dabei auf den DVD-Kaufmarkt.
Die Darstellung dieses beutenden Verwertungsschrittes muss künftig auf eine solide Datenbasis gestellt werden.

Ö Filme im ORF. Zehn geförderte Kinofilme konnten 2006 bei ihrer Ausstrahlung im ORF mehr als 100.000 Zuseher erreichen, einer davon überschritt die 500.000er Marke. Die besten Marktanteile hielten ein Kriminalfilm und zwei Komödien: „Silentium“ (Wolfgang Murnberger, Dor Film), „Poppitz“ (Harald Sicheritz, Dor Film) und „Zwei Väter einer Tochter“ (Reinhard Schwabenitzky, Star Film).

FILMPREISE
Österreichische Filme wurden in den vergangenen Jahren in ständig steigender Zahl zu internationalen Filmfestivals eingeladen. Die Austrian Film Commission nennt den Goldenen Bären für die österreichisch-bosnische Koproduktion „Grbavica“ (Jasmila Zbanic, Coop 99 Film) als Höhepunkt aller preisgekrönten Filme. Der Dokumentarfilm „Unser Täglich Brot“ (Nikolaus Geyrhalter, Geyrhalter Film) wurde für den European Film Award nominiert.

FÖRDERUNGEN UND FINANZIERUNGEN
Die Eigenproduktion von Kinofilmen ist ohne Förderungsmittel europaweit nicht möglich, da die Erlöse aus allen Verwertungen die Kosten der Herstellung nicht annähernd abdecken. In den meisten Ländern Europas wird daher die Förderung des nationalen Films als staatliche Aufgabe angesehen, die neben der Produktion eines Films auch dessen Umfeld miteinbezieht. In Österreich etablierte sich ab 1980, mit dem Beschluss des Filmförderungsgesetzes und der Einrichtung des Österreichischen Filmförderungsfonds (heute: Österreichisches Filminstitut) eine staatliche Filmförderung, die den Film sowohl als kulturelles als auch wirtschaftliches Gut erfasst. Die alleine auf künstlerische Aspekte zielende Förderung von Film und filmkulturellen Einrichtungen durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur besteht seit 1973.

Film/Fernseh-Abkommen. Ergänzt wird die Filmförderung des Bundes durch eine Filmfinanzierung des Österreichischen Rundfunks, vertraglich zwischen Filminstitut und ORF als Film/Fernseh-Abkommen vereinbart. Die Abkommensmittel des ORF betrugen 2006, so wie in den Vorjahren, 5,96 Mio. Euro. Gemessen an dem Programmentgelt des ORF (462,8 Mio. Euro) entspricht dieser Anteil 1,29%. Darüber hinaus trug der ORF mit einem Betrag von insgesamt 289.500 Euro (2005: 448.200) zur Promotion des österreichischen Kinofilms bei (darin enthalten sind Jahresförderung für Austrian Film Commission und Diagonale, Durchführung von Kinopremieren und Einsätze von Trailern im österreichischen Fernsehen). Der Rückgang dieser Aufwendungen gegenüber den Vorjahren (35%) liegt laut ORF an rechtlichen Einschränkungen, die den Trailereinsatz erschwerten.

Länderförderungen. In den meisten Bundesländern existieren Filmförderungen mit dem Schwerpunkt der Herstellungsförderung mit kulturellem Regionalbezug und wirtschaftlichen Regionaleffekten.

Förderungen und Finanzierungen gesamt. 2006 standen den acht Förderstellen und dem ORF (Film/Fernseh-Abkommen) in Summe 37,4 Mio. Euro zur Verfügung. Die höchsten Budgets wiesen unverändert das Filminstitut (9,6 Mio.), der Filmfonds Wien (8 Mio.) und der FERNSEHFONDS AUSTRIA (7,5 Mio.) aus. Diese Beträge decken sich allerdings nicht unbedingt mit den Zusagevolumen und noch weniger mit den tatsächlich ausgezahlten Beträgen, da Berichtsjahr und Dauer einer Produktion nur sehr selten zusammenfallen.

Zusagen. In Summe erhielt die österreichische Filmwirtschaft 2006 Zusagen in der Höhe von knapp 35,4 Mio. Euro, wovon mit rd. 83% der Schwerpunkt auf die Herstellung entfiel. Erstmalige Förderzusagen erhielten 2006 104 Filme, davon 30 Kinofilme, 54 Fernsehfilme und 20 Sonstige Filme (vorwiegend mit weniger als 60 Minuten Spieldauer). Das ist ein Drittel weniger verglichen mit 2005 (155 Filme).

TV-Filme stark reduziert. Die rückläufige Entwicklung setzt sich auch im Fernsehbereich fort, hier ist ein dramatischer Rückgang von 82 (2005) auf 54 Fernsehfilme (2006) zu verzeichnen. Mehr als halbiert hat sich auch die Anzahl der Fernsehfilme mit einem Budget unter 800.000 Euro.

Auszahlungen. Tatsächlich ausbezahlt wurden 2006 33,5 Mio. Euro. Wie auch bei den Zusagen entfallen die größten Summen auf Filminstitut, FERNSEHFONDS AUSTRIA und Filmfonds Wien. Gegenüber dem Jahr 2005 bedeutet das einen geringfügigen Anstieg. Der ORF hat mit 3,1 Mio. Euro nominell nur die Hälfte des Budgetrahmens des Film/Fernseh-Abkommens ausgeschöpft. Für die Herstellung der Kinofilme wurden insgesamt 14,2 Mio. Euro ausbezahlt, 12,8 Mio. Euro gingen an Fernsehproduktionen und 228.728 Euro entfallen an Sonstige Filme.

FILMFÖRDERUNG IN EUROPA
MEDIA. Die Förderschwerpunkte von MEDIA (Measures to Encourage the Development of the Audiovisual Industry) liegen in den Bereichen Entwicklung, Promotion, Vertrieb und Fortbildung. MEDIA 2007 wird das Programm MEDIA PLUS ablösen, welches von 2001 –2006 gelaufen ist. Österreich gewann in diesen Jahren stetig an Präsenz in MEDIA, auch wenn manche Förderbereiche wie z.B. die Finanzierungsförderung „i2i“ eine Anlaufzeit brauchten, um entsprechende Akzeptanz zu finden. Insgesamt flossen durch MEDIA PLUS 11,5 Mio. Euro nach Österreich, vorwiegend für die Verleihförderung. 2006 wurden aus dem MEDIA Programm in Österreich 1,5 Mio. Euro ausgeschüttet, auch in diesem Jahr vorwiegend für Verleihförderung.

EURIMAGES. 1988 als Teilabkommen des Europarates gegründet, dem im Berichtsjahr (2006) bereits 32 Länder angehörten, fördert die Herstellung von Kinofilmen, die als europäische Koproduktionen produziert werden. Bei der Förderung handelt es sich um eine Spitzenfinanzierung. 2006 betrugen die Mittel von EURIMAGES 21,1 Mio. Euro. Der österreichische Mitgliedsbeitrag belief sich auf 445.000 Euro und stellt damit 2,3% der Beitragszahlungen aller Länder dar. Projekten mit österreichischer Beteiligung wurden 2006 Förderungen in Höhe von 889.895 Euro zugesagt. Damit erreichte Österreich das beste Ergebnis seit seinem Beitritt zu EURIMAGES.

EUROPÄISCHES UMFELD
Im Jahr 2006 wurden in der EU 862 Filme produziert, das entspricht einer Steigerung von 5,8%. Einheitliche Trends lassen sich nicht erkennen, während in Spanien oder Ungarn die Produktionszahlen anstiegen, sanken sie – allerdings nach dem „Rekordjahr“ 2005 - in Frankreich und Dänemark.

Die Besucherzahlen haben sich nach den Einbrüchen europaweit wieder erholt, der Marktanteil europäischer Filme stieg von 25% auf 27,6%. Den größten Anteil daran halten französische und deutsche Produktionen. Der US-Marktanteil erreichte in der EU – rechnet man Filme mit US-Finanzierungsbeteiligung dazu – knapp 70%.

Für Ihre Unterstützung bedanken wir uns bei
Austrian Film Commission: Anne Laurent
Cine Tirol: Sabine Frühauf-Aigner, Johannes Köck
CINESTYRIA: Enrico Jakob, Brigitte Riedl
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle: Susan Newman-Baudais
Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie: Doris Hauer, Werner Müller
Fachverband der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter: Kurt Kaufmann
FERNSEHFONDS AUSTRIA: Dagmar Rosenberger, Margarete Moser
Filmfonds Wien: Thomas Heskia, Peter Zawrel
Land Niederösterreich: Angelika Wild
Land Oberösterreich: Christine Kaiser, Walter Winetzhammer
Land Salzburg: Reinhard Scharfetter
Nielsen EDI: Bernd Zickert
ORF: Erich Feichtenschlager, Regina Feist, Johanna Hanslmayr, Johann Luisser, Rudolf Lukesch
Österreichisches Filmservice: Alexander Kamml