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Die Druckversion der Filmwirtschaftsberichte:
Filmwirtschaftsbericht

DIE FILMWIRTSCHAFT
Die österreichische Filmwirtschaft stellte im Jahr 2004 Filme mit einem Bruttoproduktionswert (BPW) von 188 Mio. Euro her,wobei die Entwicklung rückläufig ist: Das Jahresergebnis 2004 entspricht dem des Jahres 1998. Die rund 1.500 Filmproduktionsunternehmen (davon rund 1.300 EPUs) beschäftigten insgesamt ca. 2.500 unselbstständige Mitarbeiter (die so genannten atypisch Beschäftigten, also die Freien Dienstnehmer und die Neuen Selbstständigen (=Werkvertragsnehmer ohne Gewerbeschein) sind von den Statistiken nicht erfasst).

Der ORF ist mit etwa 2/3 des jährlichen Produktionswerts der größte Nachfrager nach Produkten der Filmwirtschaft. Jüngere, noch nicht im Detail vorliegende Daten lassen aber auch hier auf eine Rückläufigkeit schließen. Neben dem ORF stellt die Produkt- und Firmenwerbung die wesentlichen Auftraggeber der heimischen Filmwirtschaft dar. Aufträge durch die öffentliche Hand, wie zB Bildungsfilme, sind stark rückläufig.
Lediglich knapp 10% des BPW betreffen den eigenproduzierten Kinofilm. Nur wenige Produktionsfirmen sind dabei in der Lage, auf Grund ihrer permanenten Struktur gleichzeitig Spielfilme, Fernsehfilme und Dokumentarfilme über einen längeren Zeitraum hinweg herzustellen, die für eine Auswertung in Kino oder Fernsehen geeignet sind. Das gilt auch für Auftragsproduktionen des Fernsehens. Lediglich rund 2% der Unternehmen erzielen zwei Drittel ihrer Umsätze durch Eigenproduktionen (Kinofilm), rund 8% erzielen 80% der Umsätze durch TV-Auftragsfilme.

Eigenproduktionen stellen somit insgesamt nur rund zehn Prozent des BPW der Filmwirtschaft dar, auf TVAuftragsproduktionen und andere Auftragsfilme entfallen zwei Drittel bzw. ein Viertel. Eine Eigenproduktion von Spielfilmen ist in Österreich – so wie in nahezu allen europäischen Ländern – ohne Förderungen undenkbar. Im Beobachtungszeitraum sind die Förderungen (für die Produktion) der öffentlichen Hand (Bund, Länder und Gemeinden, inklusive der Mittel aus dem Film/Fernsehabkommen) von etwa 23 Mio. Euro im Jahr 2001 auf mehr als 27 Mio. Euro im Jahr 2003 gestiegen. Durch den seit 2004 bestehenden Fernsehfonds Austria, verwaltet von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), stiegen die zur Verfügung stehenden Mittel um weitere 7,5 Mio. Euro auf insgesamt rund 35 Mio. Euro.

Das Vergabevolumen des ORF (Zusagen, nicht Ausgaben) erreichte nach dessen Angaben 2004 im Vergleich der letzten Jahre einen Höchstwert von 97,6 Mio Euro; eine Steigerung gegenüber 2003 von 40,7%. Die stärksten Veränderungen in der Programmaufteilung waren dabei in den Bereichen Show und Dokumentationen zu beobachten (39,47 bzw. 48,63%). Der Anteil von Film/Serie betrifft nach wie vor knapp weniger als die Hälfte des Auftragsvolumens, sein Anteil hat sich nach den starken Reduktionen in den Jahren 2000 und 2001 stabilisiert. Stark gestiegen ist die Anzahl der beauftragten Firmen. Zwischen 1998 und 2004 ist insgesamt eine Zunahme um 44% (auf 79 Filmhersteller) zu beobachten. Die Hälfte des Auftragsvolumens betrifft in der langjährigen Entwicklung fünf Produktionsunternehmen, 5% des Volumens teilten sich 52 Firmen (also rund 65%), das sind nahezu doppelt so viele wie im Jahr 1998.

DIE VERWERTUNG
Die gesamte Wertschöpfungskette der Verwertung vom Kino bis zum Verkauf und Verleih von Video und DVD wird von US-Unternehmen dominiert. Eine Stärkung der österreichischen Marktposition, basierend auf einem entsprechenden Fruchtgenuss der Förderung aus der US-amerikanischen Vormachtstellung ist daher – analog zu anderen europäischen Ländern – wünschenswert und wäre ein wichtiger Beitrag, die im europäischen Vergleich geringe Zahl an heimischen Kinoerstaufführungen und den geringen Marktanteil von rund 2,6% der Eintritte für österreichischen Filme zu steigern.

Österreich zählt zu den wenigen Ländern Europas, in denen es keine gesetzliche Verpflichtung zur Meldung von Kinobesucherzahlen gibt. Eine detaillierte Kenntnis des (heimischen) Marktes ist sowohl für die Marktteilnehmer (Produzenten) als auch für die Förderung dringend erforderlich.Voraussetzung dafür ist jedoch die Klärung der Frage,welche unabhängige Stelle dieses Meldesystem durchführen könnte. Die Daten zu den Kinobesuchern beruhen fast ausschließlich auf freiwilligen Angaben der Verleiher. Da die detaillierte Erfassung der Eintritte nicht geregelt ist, fehlt eine vollständige Datenerfassung. Die zur Verfügung stehenden Datenquellen basieren auf den Angaben der Verleiher, die wöchentlichen Gesamtmarkterhebungen auf Daten von Nielsen EDI und der AKM.Trotz dieser Einschränkung stieg der Deckungsgrad der erfassten Besucherzahlen erstmals von 35% in den Vorjahren auf
nunmehr rund 95% für das Jahr 2004.

Die 297 Filme, die im Jahr 2004 in Österreichs Kinos gezeigt wurden, erreichten 19.376.808 (lt AKM) Besuche. Lt. Nielsen EDI erzielten die davon 137 europäischen Filme einen Marktanteil von 28,5% (5.520.000 Eintritte), die 143 insbesondere USamerikanischen Filme hingegen 71,52% (12.520.000 Eintritte).

Die Kinosituation hat sich 2004 mit 560 Kinosälen (das sind rund um ein Drittel mehr als vor 10 Jahren) stabilisiert. Im gleichen Zeitraum wurde die Gesamtbesucherzahl um rund 50% gesteigert, der durchschnittliche Kartenpreis stieg um etwa ein Fünftel auf 5,95 Euro. 41% aller österreichischen Kinos sind nach wie vor Einsaalkinos.

Für das Jahr 2004 können erstmals auch die Besucherergebnisse österreichischer Filme in ausgewählten Ländern (Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und den USA) mit Hilfe von Nielsen EDI veröffentlicht werden. Allein vier Filme konnten dabei eine Verdoppelung der gesamten österreichischen Eintritte in heimische Filme erzielen.

In der Verwertungskette folgt nach dem Kino die Video/DVD Auswertung, die weltweit in den letzten fünf Jahren die 50% Marke an den Gesamterlösen überschritten hat. In Österreich liegen dazu leider keine entsprechenden Daten vor. Aus diesen Gründen haben wir uns dazu entschlossen, diesen Bereich für das Jahr 2004 nicht zu berücksichtigen.

DIE FILMFESTIVALS
Die zahlreichen Teilnahmen und Preise österreichischer Filme an bedeutenden internationalen Filmfestivals können nicht nur als künstlerischer Erfolg gewertet werden; die kontinuierliche Präsenz österreichischer Filme im Ausland erlangt nicht zuletzt durch das Schaufenster dieser Erfolge auch zunehmend eine internationale Marktrelevanz und bestätigt damit den Erfolg der seit 1987 bestehenden Referenzfilmförderung des Österreichischen Filminstituts nach künstlerischen und wirtschaftlichen Kriterien.

DIE FÖRDERUNGEN
Der durchschnittliche österreichische Kinofilm wird mit finanzieller Unterstützung von Filminstitut, ORF (im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens) und den Regionalförderungen, allen voran dem Filmfonds Wien, hergestellt. Der Fernsehfilmwirtschaft stehen Finanzierungshilfen seitens des Fernsehfonds Austria (aus Bundesmitteln) und der Länderförderungen zur Verfügung. Jährlich beträgt die Unterstützung der öffentlichen Hand insgesamt 33,475 Mio Euro. (Zusagevolumen – Herstellung).

Um im Bereich der gesamten nationalen Filmförderung eine vergleichbare und transparente Darstellung zu ermöglichen, sollte eine Förderdatenbank eingerichtet werden, in der alle in Österreich für die Herstellung und Verwertung österreichischer Filme (für Kino und Fernsehen) aufgewendeten öffentlichen Mittel jährlich erfasst werden. Die Kriterien dieser Aufstellung müssten definiert werden. Dies setzt auch eine gewisse Harmonisierung sämtlicher Förderungsrichtlinien voraus.

Nach Angaben von EFAD (European Film Agency Directors) gaben im Jahr 2004 Länder wie zB Luxemburg das Elffache, Dänemark, Italien und Frankreich rund das Neunfache und die Schweiz immerhin noch das Fünffache mehr pro Einwohner für die Filmförderung als Österreich aus.

Neben den indirekten Effekten der heimischen Filmproduktionen (Werbung für das Land und die Regionen) profitiert die öffentliche Hand auch erheblich von den Steuerleistungen der Filmwirtschaft, die im Jahr 2001 auf rund 120 Mio. Euro (ohne Lohnsteuer und Sozialversicherung) geschätzt wurden.

Neben der Förderung durch Bund, Länder und Gemeinden wird in Europa zunehmend eine dritte Säule der Filmfinanzierung zum Standard: die Schaffung von Steueranreizen für Investitionen von privatem Kapital in Filmproduktionen. Die Kombination von Förderung und Steuern ist ein inzwischen weltweiter Trend. Länder wie Luxemburg, Irland, England und die Niederlande haben damit eine deutliche Steigerung der Investitionen und der produzierten Filme erreicht. Angesichts der immer härter werdenden Konkurrenz der Koproduktionsanbieter, insbesondere durch die CEE-Länder, sollte daher der Ausbau der österreichischen Förderlandschaft um diese dritte Säule vorgenommen werden.

EUROPÄISCHE FÖRDERPROGRAMME
Im Rahmen der Europäischen Union obliegt die Filmförderung dem MEDIA Programm. 2004 erhielten österreichische Firmen für Verleihförderung, Projektentwicklung, Fernsehfilmherstellung, Festivalförderung und für Pilotprojekte insgesamt 2,1 Mio Euro.

Der europäische Koproduktionsfonds EURIMAGES (Teilabkommen des Europarats) unterstützte mit 1,350 Mio. Euro die Herstellung österreichisch-ausländischer Koproduktionen und mit 8.000 Euro den Verleih österreichischer Filme in den EURIMAGES Mitgliedsländern.

DAS EUROPÄISCHE UMFELD
Im Schlusskapitel wird die österreichische Filmwirtschaft, soweit dies die Datenlage zulässt, im europäischen Umfeld betrachtet.

Im Besonderen danken wir:
Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
Susan Newman-Baudais
Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie
Dr. Werner Müller
Fachverband der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter
Dr. Kurt Kaufmann
Filmfonds Wien
Dr. Peter Zawrel
Nielsen, EDI
Bernd Zickert
ORF
Dr. Barbara Fränzen,
Dr. Erich Feichtenschlager,
Mag. Johann Luisser
Triconsult, Wirtschaftsanalytische Forschung
Dr. Felix Josef
Paul und Collegen, Unternehmensberatung
Dr. Michael Paul

Wir bedanken uns auch bei all jenen Institutionen, die uns die Daten zur Verfügung gestellt haben, dies sind die Förderungseinrichtungen, Verleiher und Filmproduktionen und bei all jenen, die in akribischer Kleinarbeit die Daten gesammelt, aufbereitet und uns übermittelt haben.